Kapazitäten sollen ausgebaut werden
Conti setzt auf Osteuropa

Während der Autozulieferer und Reifenhersteller Continental in Osteuropa seine Kapazitäten weiter ausbauen will sind in Westeuropa oder den USA bei schwächerer Nachfrage weitere Werksschließungen möglich. Für das laufende Geschäft ist Vorstandschef Manfred Wennemer jedoch zuversichtlich.

HB DÜSSELDORF. Continental sei auf gutem Weg, sein Ziele für 2005 zu erreichen, sagte Wennemer am Dienstagabend in Düsseldorf. Conti wolle Umsatz und Betriebsergebnis (Ebit) nach dem Rekordjahr 2004 im laufenden Jahr erneut steigern. „Wir haben dieses Ziel im ersten Quartal erreicht“, sagte Wennemer. Beim französischen Rivalen Michelin hatte der Umsatz im ersten Vierteljahr stagniert.

Der Vorstandschef kündigte an, Conti werde unabhängig von der Nachfrageentwicklung die Produktionskapazität für Reifen in Niedriglohnländern um jährlich vier Mill. Stück erhöhen. Sollte die Nachfrage nicht entsprechend steigen, werde Conti notfalls Werke an den teuren Standorten in Westeuropa oder in den USA schließen. Nach der Schließung des Conti-Reifenwerkes in Mayfield im US-Bundesstaat Kentucky könnte als nächstes das Werk in Charlotte in North Carolina betroffen sein, deutete Wennemer an. Ein neues Werk soll in Polen oder in Litauen gebaut werden, eine Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen, sagte Wennemer. Derzeit kann Conti weltweit bis zu 110 Mill. Reifen im Jahr herstellen.

Conti ist bei der Verlagerung von Arbeitsplätzen in Niedriglohnländer deutlich aggressiver als Mitbewerber. 2003 arbeiteten bereits 31 % der 69 000 Conti-Mitarbeiter an Niedrigkostenstandorten. 2004 dürften es 32 bis 33 % der auf fast 80 000 Menschen gewachsenen Mitarbeiterschaft gewesen sein, sagte Wennemer. In den USA seien die Arbeitskosten für Conti 20 % höher als in Deutschland, in Tschechien lägen sie dagegen 75 % darunter, in Rumänien oder Malaysia sogar um 90 %.

Der Chef des Dax-Unternehmens machte für die Verlagerungen die Bundesregierung verantwortlich: „Das Problem von (SPD-Chef Franz) Müntefering und Co. ist: Die bringen ihr Haus nicht in Ordnung und schaffen nicht die erforderlichen Rahmenbedingungen.“ Die Schaffung von Kapazitäten im Ausland sichere Arbeitsplätze im Inland, sagte Wennemer. „Das deutsche Geschäft wird tatsächlich subventioniert durch die Arbeit an den Niedrigkostenstandorten.“ Im Zuge der Übernahme des Hamburger Wettbewerbers Phoenix plant Continental die Streichung von rund 850 Stellen.

Nach der Übernahme von Phoenix im vergangenen Jahr könne sich Continental weitere Übernahmen in dieser Größenordnung vorstellen, sagte Wennemer. „Wir sind bereit, so etwas auch in anderen Bereichen zu tun. Im Moment haben wir aber keine Targets (Zielobjekte)“, sagte er. Für Phoenix hatte Conti knapp 300 Mill. € bezahlt. Eine Übernahme des italienischen Wettbewerbers Pirelli, die gemessen am Börsenwert möglich wäre, stehe nicht auf der Tagesordnung. „Ich sehe auf absehbare Zeit nicht, dass Conti und Pirelli zusammen gehen.“ Falls es dazu einst doch kommen sollte, käme eine feindliche Übernahme nicht in Frage. 1991 hatte Pirelli erfolglos versucht, Conti zu übernehmen.

Conti wolle auch ohne Akquisitionen jährlich um fünf Prozent wachsen und die Profitabilität steigern, bekräftigte Wennemer. Dies gelte, obwohl Conti einige Produktneuheiten wie die zweite Generation der EPS-Geräte oder die elektronische Einparkhilfe nicht so schnell am Markt habe durchsetzen können wie erwartet. „Vor drei bis vier Jahren waren wir sicher noch optimistischer.“ Die Industrie teste neue Produkte heute länger.

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