Kapazitäten werden zusammengestrichen
Daimler-Chrysler fährt Produktion zurück

Betroffen ist das Werk Sindelfingen. Zudem hat der Autohersteller seine Pläne für den Bau eines neues Werkes in den USA verworfen.

hz FRANKFURT/M. Der Autokonzern Daimler-Chrysler tritt auf die Bremse und streicht seine Kapazitäten zusammen. Der deutsch-amerikanische Konzern fährt die Produktion in seinem Sindelfinger Stammwerk zurück und gibt angesichts des schwierigen US-Markts seine Pläne für den Bau eines weiteren Werks im US-Staat Georgia auf. Schon im Frühjahr hatte der Konzern auf ein neues Werk in Kanada verzichtet.

Nach Gewerkschaftsangaben wurde in Sindelfingen das Produktionsprogramm für das laufende Jahr gegenüber der operativen Planung vom Juli 2002 deutlich verringert. In Sindelfingen wird neben der erfolgreichen Mercedes E-Klasse auch die schwächelnde C-Klasse produziert. Daimler-Chrysler hatte in den ersten acht Monaten einen Rückgang beim Absatz der C-Klasse von 15 % auf gut 186 000 Fahrzeuge verbucht. Die neue Variante der E-Klasse verkaufte sich dagegen mit fast 200 000 Stück um 38 % besser.

„Dass die C-Klasse an Dynamik verliert, war klar angesichts des Lebenszyklus des Modells“, sagt Auto-Analyst Robert Pottmann von M.M. Warburg. So macht das BMW 3er-Modell der C-Klasse derzeit deutlich zu schaffen. Pottmann hält die Entscheidung in Sindelfingen jedoch nicht für gravierend, da die Kapazitätsanpassung nicht strukturell begründet sei. Ein Wachstum der Produktion in Sindelfingen sei erst wieder für 2005 zu erwarten, wenn das neue Modell der S-Klasse gefertigt werde, hieß es im Betriebsrat. Ein Teil der Fahrzeuge, die im schwäbischen Werk aus dem Programm genommen würden, werde in der Bremer Mercedes-Farbrik produziert, um dort die Beschäftigung der Stammbelegschaft zu sichern, hieß es weiter. Eine Sprecherin von Daimler-Chrysler wollte die Informationen nicht kommentieren.

Weltweit hat Mercedes-Benz im bisherigen Jahresverlauf rund 2 % weniger Autos verkauft als im Vorjahr, seinen Marktanteil damit angesichts der Flaute jedoch ausgebaut. Auch für 2004 rechnet Mercedes-Chef Jürgen Hubbert wegen der Modellwechsel in der A-Klasse- und M-Klasse nur mit einem stagnierenden Absatz. Erst 2005 werde Mercedes wieder deutlich zulegen.

Auch in den USA nimmt Deutschlands größter Industriekonzern seine Kapazitäten erneut unter die Lupe und verwarf jetzt den geplanten Bau einer neuen Fabrik in Savannah. „Das ist eine ökonomische Entscheidung“, sagte Hartmut Schick, Sprecher des deutsch-amerikanischen Unternehmens, und verwies zur Begründung unter anderem auf die Schwäche des Dollar und die rückläufige Nachfrage. In dem mit rund 750 Mill. $ veranschlagten Werk im US-Staat Georgia sollte die US-Version des Mercedes-Transporters Sprinter montiert werden, die derzeit in Düsseldorf gefertigt wird. Daimler bietet den Sprinter in den USA unter den Marken Freightliner und Dodge an. Sollte die Nachfrage in den USA wieder anziehen, könnte Daimler immer noch zum alten Plan zurückkehren und ein US-Werk errichten, sagte Schick.

Der weltweit fünftgrößte Autokonzern bemüht sich, Chrysler wieder in die Gewinnzone zu bringen, nachdem es im zweiten Quartal dieses Jahres einen Verlust von rund 1 Mrd. $ eingefahren hat. Vor wenigen Tagen hatte Chrysler bereits durchgesetzt, dass sich der Hersteller in den nächsten Jahren von mindestens fünf Zuliefererwerken in den USA trennen kann. Der Autobauer leidet unter einer heftigen Rabattschlacht mit den Konkurrenten Ford und General Motors. Trotzdem will Chrysler-Chef Dieter Zetsche im laufenden Jahr noch ein ausgeglichenes Ergebnis vorweisen. Der Autokonzern kann sein Ertragsziel für das laufende Jahr aber nach Auffassung von Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp auch dann erreichen, wenn die US-Sparte ihr Ergebnisziel verfehlen sollte.

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