Industrie
Kapazitätsabbau lässt Preise für Speicherchips steigen

Fast zwei Jahre lang kannten die Preise für Speicherchips nur eine Richtung: nach unten. Jetzt sieht es nach Ansicht der Marktbeobachter von Dram-Exchange aber so aus, als sei die Talfahrt endlich beendet.

MÜNCHEN. Grund dafür seien die Kapazitätskürzungen aller großen Anbieter, teilten die Taiwaner Experten gestern mit. Von September bis Anfang Januar haben die Hersteller der sogenannten Drams rund ein Fünftel weniger produziert als zuvor. Dies sorgte in den vergangenen Tagen dafür, dass sich die Preise stabilisierten und sogar leicht stiegen: Je nach Chip mussten die Kunden Anfang dieser Woche auf dem Markt für kurzfristige Lieferung zwischen fünf und 16 Prozent mehr bezahlen als noch in der zweiten Januar-Woche.

In den zwei Jahren zuvor haben die Produzenten laut Dram-Exchange wegen der gigantischen Überkapazitäten Verluste von zehn Mrd. Dollar angehäuft. Zuletzt verdiente kein Anbieter mehr Geld, selbst Branchenprimus Samsung hat schwer zu kämpfen. Nach Angaben der Marktforscher von I-Suppli ist der Umsatz der Industrie vergangenes Jahr um rund ein Fünftel auf etwa 25 Mrd. Dollar gesunken.

In den letzten Monaten haben viele Hersteller veraltete Werke dicht gemacht. Über die Jahreswende legten die Produzenten zudem zahlreiche Fabriken vorübergehend still. Dadurch leerten sich die Lager.

"Wir gehen nicht von einer schnellen Erholung aus", dämpfte Anfang der Woche Hynix-Chef Kim Jong-kap die Erwartungen. Doch der Vorstandsvorsitzende des zweitgrößten Dram-Produzenten der Welt rechnet immerhin damit, dass die Branche den Tiefpunkt im vierten Quartal 2008 durchschritten hat.

Hynix hatte sich zuletzt nur durch einen Kredit von 600 Mio. Dollar von staatlichen Banken retten können. Auch der hoch defizitäre deutsche Wettbewerber Qimonda soll demnächst öffentliches Geld bekommen. Die Münchener hoffen auf Darlehen von insgesamt 325 Mio. Euro. Die Summe teilen sich der Freistaat Sachsen und das Land Portugal. Mehrheitseigentümer Infineon steuert 75 Mio. Euro zur Rettung seiner ehemaligen Speichersparte bei. In Taiwan steht die Regierung ebenfalls kurz davor, den lokalen Dram-Produzenten unter die Arme zu greifen.

Die Börse haben die gestiegenen Dram-Preise gestern nicht beeindruckt. Im Gegenteil, der Kurs der in New York notierten Qimonda-Aktien fiel im frühen Handel um 16 Prozent auf etwa 36 US-Cents. jojo

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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