Kapitalerhöhung gebilligt
ACS kommt der Übernahme von Hochtief näher

Die Übernahme des größten deutschen Baukonzerns Hochtief durch das spanische Unternehmen ACS wird immer wahrscheinlicher. Auf einer außerordentlichen Aktionärsversammlung haben die ACS-Aktionäre einer Kapitalerhöhung um bis zu sechs Mrd. Euro zugestimmt.
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MADRID/DÜSSELDORF. Der spanische Infrastrukturkonzern ACS hat im Übernahmekampf um den größten deutschen Baukonzern Hochtief eine weitere Hürde überwunden. Eine Mehrheit der ACS-Aktionäre gab am Freitag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung grünes Licht für eine Kapitalerhöhung um bis zu sechs Mrd. Euro oder 50 Prozent des existierenden Kapitals. Damit kann ACS jetzt die Hochtief AG, an der die Spanier bereits knapp 30 Prozent halten, mittels Aktientausch ganz übernehmen.

Die deutsche Wertpapieraufsicht BaFin hat bis Ende November Zeit, das Übernahmeangebot von ACS für Hochtief zu prüfen. Wenn das 700-Seiten-Dokument dann dem Essener Konzern vorliegt, wird er es eingehend prüfen. "Dies werde "wegen des Umfangs der Unterlagen mehrere Tage in Anspruch nehmen wird", heißt es. Eine Stellungnahme von Hochtief ist wohl nicht vor dem 6. Dezember zu erwarten.

"Wir erwarten, dass die Annahmefrist Ende November beginnt und dass das Angebot in seiner Gesamtheit bis Ende Januar 2011 erfolgreich abgeschlossen sein wird", erklärte ACS-Chef Florentino Pérez auf der Hauptversammlung. Pérez wiederholte er seine "Überraschung" über die heftige Reaktion bei Hochtief auf das Übernahmeangebot. ACS habe "keine feindlichen Absichten", man werde "den deutschen Charakter des Unternehmens beibehalten." Konzernsitz bleibe Essen, der Börsenplatz Frankfurt, so Pérez. Der Zusammenschluss verspreche "eine attraktive Rendite für die Aktionäre von ACS, Hochtief und Leighton."

Protest der Minderheitsaktionäre

Das sehen die Minderheitsaktionäre von ACS und Hochtief anders. Sie protestierten auf der Hauptversammlung vergeblich gegen die Kapitalerhöhung. Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) verbündete sich dafür mit ihrem spanischen Pendant Aemec. "Werden Sie Hochtief integrieren oder bleibt es eine unabhängige Holding?", fragte DSW-Geschäftsführerin Jella Benner-Heinacher den ACS-Chef. Und "Wird der ACS-Kurs verfallen, wenn so viele neue Aktien auf den Markt kommen?"

Bei Hochtief wollte man sich zu der Kapitalerhöhung nicht äußern. An der Börse legte die Hochtief-Aktie am Freitag leicht auf 62,35 Euro zu, ACS gab auf 36,15 Euro nach. Damit hätten Hochtief-Aktionäre beim vorgeschlagenen Aktientausch von acht ACS - gegen fünf Hochtief-Aktien rund 7,2 Prozent verloren.

Angesichts des wenig attraktiven Übernahmeangebots werden wohl wenige Hochtief-Aktionäre auf das Angebot eingehen. Entsprechend ist die jetzt abgesegnete Kapitalerhöhung vermutlich eine reine Formsache. Die ACS-Führung wird zunächst existierende Aktien einsetzen - sechs Prozent im Eigenbesitz und weitere 30 Prozent, die Großaktionäre als Leihgabe zur Verfügung stellen. Doch die Bafin hatte gefordert, dass ACS sich die Kapitalerhöhung dennoch im Voraus genehmigen lassen müsste.

Anne Grüttner ist Handelsblatt-Korrespondentin in Madrid.
Anne Grüttner
Handelsblatt / Korrespondentin

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