Kapitalerhöhung
Keine Chance für Siemens bei Alstom

Der Plan für eine Beteiligung von Siemens am Bahntechnik- und Turbinengeschäft des französischen Industriekonzerns Alstom ist nach Informationen der Pariser Finanzpresse vom Tisch. Alstom solle nach kräftiger Aufstockung seines Eigenkapitals als unabhängiger Konzern bestehen, berichten „Les Echos“ und „La Tribune“ am Dienstag. Damit hätte sich Frankreich im Tauziehen mit Brüssel um die Alstom-Sanierung durchgesetzt. Siemens wollte sich nicht zum Fall Alstom äußern.

HB PARIS/BRÜSSEL. In der Debatte um die Zukunft des Konzerns sicherte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) den Beschäftigten an den deutschen Alstom-Standorten seine Unterstützung zu. Das Ziel sei, möglichst viele Arbeitsplätze in Mannheim und an anderen Standorten zu erhalten, sagte Schröder am Dienstag nach einem Gespräch mit dem Mannheimer Alstom-Betriebsrat in Mannheim. Gegenwärtig sei nicht überschaubar, ob der Konzern erhalten werden könne oder ob es andere Lösungen gebe. Wenn mehr Klarheit herrsche, kämen Vertreter des Betriebsrates und der IG Metall in der ersten Junihälfte zu weiteren Gesprächen mit dem Kanzler nach Berlin. Die Alstom-Beschäftigen fürchten, dass der Streit des Konzerns mit der EU einen Arbeitsplatzabbau zur Folge haben könnte. Alstom beschäftigt in Deutschland 7000 Menschen.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte am Dienstag, man sei in den Gesprächen mit der französischen Regierung weiterhin dicht an einer Lösung dran. Eine endgültige Übereinkunft sei aber noch nicht getroffen. „Wir werden keine Gerüchte kommentieren“, sagte der Sprecher.

EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti und der französische Wirtschafts- und Finanzminister Nicolas Sarkozy hatten sich am Montag in Brüssel grundsätzlich auf ein Rettungspaket geeinigt, das über die Billigung der Milliardenhilfe vom Herbst 2003 hinaus geht. Es soll nach der Zustimmung der Banken noch diese Woche besiegelt werden. 2003 hatte Paris ein Rettungspaket über 3,2 Milliarden Euro gezimmert, zu dem der Staat 800 Millionen Euro beiträgt. Monti hat der „Tribune“ zufolge akzeptiert, dass diese 800 Millionen Euro vollständig über Wandelanleihen in Eigenkapital konvertiert werden. Allerdings würde der Staatsanteil an Alstom sich damit im Vergleich zur bisherigen Planung auf 40 Prozent verdoppeln.

Deshalb sollten die Banken ihre im Herbst zugesagten Kredite über 1,2 Milliarden Euro „freiwillig“ zumindest teilweise in Eigenkapital verwandeln. Außerdem solle Alstom eine Milliarde Euro Eigenkapital über den Markt aufnehmen, wobei die französischen Banken die Erhöhung garantieren sollen.

Die Banken sollen zudem dem Bericht zufolge die Finanzierung der Alstom-Geschäfte für zwei Jahre absichern. Sie müssten damit ihre Garantien von 3,5 Milliarden auf 7,5 bis 8,5 Milliarden Euro erhöhen.

Die Zustimmung der Banken gilt als sicher, nachdem Sarkozy ihnen am Sonntag bereits einen Zwischenbescheid gegeben hatte. Dank Finanzierungsgarantien hat Alstom zuletzt zahlreiche große Aufträge bekommen und seine Marktposition gegen Konkurrenten wie Siemens und General Electric gefestigt. Am 26. Mai will Alstom seine Jahreszahlen vorlegen.

Alstom soll im Gegenzug Unternehmensteile abgeben. Allerdings hat Monti den Berichten zufolge auf die Forderung verzichtet, ganze Sparten wie die Großturbinen oder die Bahntechnik mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV zu veräußern oder mit Partnern wie Siemens zu betreiben.

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