Kapitalerhöhung verschafft Atempause
Clariant schiebt Spartenverkauf auf lange Bank

Der Schweizer Spezialchemie-Konzern Clariant wird sich doch nicht so schnell von seinem Elektronikchemie-Geschäft trennen wie angekündigt. Ursprünglich sollten die Verhandlungen über den Verkauf der Sparte bereits in den ersten Monaten dieses Jahres abgeschlossen sein. Jetzt will sich das Unternehmen nach Auskunft eines Sprechers nicht einmal mehr festlegen, ob die Sparte überhaupt noch in diesem Jahr verkauft werden soll.

HB ZÜRICH. Hintergrund für diesen Sinneswandel ist eine Kapitalerhöhung, die Clariant in den vergangenen Tagen erfolgreich über die Bühne gebracht hat. Sie hat dem Unternehmen wie geplant 920 Mill. Schweizer Franken (590 Mill. Euro) gebracht, die vor allem genutzt werden sollen, um die in eine Schieflage geratene Bilanz auszugleichen. Clariant hat nach zwei verlustreichen Jahren 2003 zwar wieder einen Gewinn von 61 Mill. sfr. verbucht, aber leidet immer noch unter einer Nettoverschuldung von 2,9 Mrd. sfr. Um Schulden abzubauen, hatte Konzernchef Roland Lösser ursprünglich auf den Verkauf größerer Sparten gesetzt. Die erfolgreiche Kapitalerhöhung schaffe jetzt mehr Flexibilität. Ein schneller Verkauf sei nicht mehr so wichtig wie ein guter Preis, sagte Clariant-Sprecher Rainer Wiehofen.

Analysten schätzen den Wert der Elektronikchemie auf mehr als 500 Mill. sfr. Offenbar habe Lösser erkannt, dass er mit der Sparte über einen florierenden Bereich verfügt, sagt Roland Leutenegger von der Bank Sal. Oppenheim. Der Bereich wachse in der derzeitigen Konjunkturphase stark und sei überproportional profitabel.

Auch nach der erfolgreichen Kapitalerhöhung hält Clariant an seinem Sparprogramm fest. Es führt dazu, dass innerhalb der nächsten zwei Jahre 15 % der mehr als 27 000 Stellen gestrichen werden. Bei der jüngsten Hauptversammlung des Unternehmens hatte es deswegen laute Proteste gegeben. Die Gewerkschaft Bau und Industrie hatte Flugblätter mit der Überschrift: „Diese Suppe ist ungenießbar“ an die Aktionäre verteilt und darauf hingewiesen, dass Clariant sich durch die missglückte Übernahme des britischen Pharmazulieferers BTP selbst in seine desolate Lage gebracht hatte. Lösser hatte als Mitglied des Verwaltungsrat den Deal zumindest nicht verhindert. Er will jedoch nach eigenen Worten an der Konzernspitze bleiben, bis die Wende endgültig geschafft ist.

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