Kapitalseite will Einfluss der Gewerkschaften begrenzen
Skandal verschärft Machtkampf bei VW

Bei Europas größtem Autobauer VW ist ein Kampf um den Einfluss von Betriebsrat und Gewerkschaft ausgebrochen.

HB/hof FRANKFURT. „Es gibt Kräfte, die versuchen, die Arbeitnehmervertretung von Volkswagen zu schwächen, weil ihnen die Stärke von Betriebsrat und IG Metall schon lange ein Dorn im Auge ist“, heißt es in einem Brief des designierten Betriebsratschefs Bernd Osterloh an die Beschäftigten, der dem Handelsblatt vorliegt. Osterloh warnt davor, den Zusammenhalt zwischen Betriebsrat, IG Metall und Belegschaft „weder von außen noch von innen zerstören zu lassen“.

Der Skandal um Schmiergeldforderungen, überhöhte Spesenabrechnungen und Tarnfirmen bei VW ist offenbar nur Teil eines Machtkampfs im Konzern. Nachdem Konzernchef Bernd Pischetsrieder bereits zahlreiche Vorstände ausgetauscht und den Sanierer Wolfgang Bernhard zum Markenchef bei VW gemacht hat, gelten nun die Gewerkschafter als letzter Bremsklotz für einen radikalen Umbau des Traditionsunternehmens. „Es geht darum, diesen Machtblock zum Bröckeln zu bringen“, glaubt auch Albrecht Denninghoff, Automobilanalyst der Hypo-Vereinsbank.

Entsprechend heftig wehrt sich die Gewerkschaft. IG-Metall-Chef Jürgen Peters, wie Osterloh im VW-Aufsichtsrat, warf dem niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff vor, den gewerkschaftsnahen VW-Personalvorstand Peter Hartz „öffentlich zu beschädigen“. Wulff, der in dem Kontrollgremium den Großaktionär Niedersachsen vertritt, hatte gesagt, dass es auch für Hartz keinen „Persilschein“ geben dürfe. Unbestätigten Medienberichten zufolge soll Peter Hartz überhöhte Spesenquittungen abgezeichnet haben. Offenbar wird der Korruptionsskandal bei VW dazu genutzt, Hartz gezielt zu schaden. Denn der Personalchef, zugleich Gewerkschafter und SPD-Mitglied, gilt als Galionsfigur des „Systems VW“ mit einer engen Verzahnung von Betriebsrat und Vorstand. In Unternehmenskreisen hieß es bereits, dass Hartz künftig die gesamte Lobby-Abteilung des Konzerns, genannt „Regierungsbeziehungen“, an Pischetsrieder abgeben müsse.

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