Karl-Thomas Neumann
Schaeffler putscht gegen Conti-Chef

Dramatischer Machtkampf bei Conti: Auf massives Drängen von Großaktionär Schaeffler steht Continental-Chef Karl-Thomas Neumann kurz vor der Ablösung. Obwohl sich die niedersächsische Landesregierung hinter Neumann stellt, wird bereits über einen möglichen Nachfolger spekuliert.

iw/mcs/HB HAMBURG/DÜSSELDORF. Innerhalb von weniger als einem Jahr verlässt der zweite Continental-Chef im Streit mit dem fränkischen Familienunternehmen Schaeffler das Unternehmen. Karl-Thomas Neumann habe das Vertrauen der geschlossenen Anteilseignerbank verloren, sagte Vize-Aufsichtsratschef Werner Bischoff nach einer Aufsichtsratssitzung.

Die zehn Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hätten eine Abberufung Neumanns am Donnerstag noch verhindern können, da eine Zweidrittel-Mehrheit dafür nötig gewesen wäre. Die zehn Vertreter der Anteilseigner seien für eine Ablösung Neumanns gewesen. Der Aufsichtsrat habe nun ein Vermittlungsverfahren angerufen. Bischoff sagte, er rechne damit, dass der Aufsichtsrat in den nächsten zehn oder 14 Tagen erneut zusammenkomme. Dann reiche eine einfache Mehrheit für die Ablösung Neumanns aus. Dabei hat der Aufsichtsratschef bei einem Patt ein Doppelstimmrecht. Die Arbeitnehmervertreter weiß Neumann offenbar bis zuletzt hinter sich. "Ein guter Mann geht von Bord", sagte er. Ein Nachfolger steht noch nicht fest. "Wir sind noch nicht so weit, dass wir über den nächsten reden", so Bischoff.

Bei einem zuletzt als Hauptstreitpunkt geltenden Thema setzte sich Neumann allerdings durch. Er wollte die prekäre finanzielle Situation mittels der Ausgabe neuer Aktien für bis zu 1,5 Mrd. Euro lindern. Diesem Plan stimmte der Aufsichtsrat zu. Zudem beschloss Conti, angesichts einer Mitte 2010 fällig werdenden Tranche über 3,5 Mrd. Euro, neue Kreditverhandlungen mit den Banken anzustreben. Conti steht nach der Übernahme der Siemens-Autoelektroniksparte VDO mit noch zehn Milliarden Euro in der Kreide steht.

An der Börse steht die Conti-Aktie stark unter Druck. Das Papier verliert zum Handelsstart rund fünf Prozent.

Die IG Metall hat den dramatischen Machtkampf um Continental und die geplante Ablösung des Conti-Chefs Karl-Thomas Neumann heftig kritisiert. "Es ist ein grober Fehler, dass die Familie Schaeffler und die Kapitalseite versuchen, Herrn Neumann als Vorstandsvorsitzenden abzusetzen", sagte IG Metall-Bezirkschef Hartmut Meine am Freitag der Deutschen Presse-Agentur dpa in Hannover. "Neumann ist einer der besten Automobilmanager in Deutschland. Die Arbeitnehmervertreter haben vollstes Vertrauen zu Neumann."

Niedersachsens Wirtschaftsminister Philipp Rösler stellte sich heute hinter Neumann: "Die Landesregierung ist davon überzeugt, dass Karl-Thomas Neumann und die von ihm vorgelegten Konzepte am besten geeignet sind, die Zukunft der Conti-Schaeffler-Gruppe und deren Beschäftigten langfristig zu sichern. Wichtig ist, Klarheit über den weiteren Weg zu schaffen. Es darf keine weitere Hängepartie und keinen personellen Aderlass geben.

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