Kartellamt hat Übernahme bereits im Visier
"Operation Stinktier" in der Zementbranche

In der Zementbranche gärt es: In Branchenkreisen ist von einer so genannten „Operation Stinktier“ die Rede, mit der ein großer Anbieter von der Bildfläche verschwinden soll. Von betriebswirtschaftlich gebotener Bereinigung hoher Überkapazitäten reden die einen. Aus Kreisen des Übernahmeopfers ist von Zerschlagung eines lästigen Konkurrenten und gar von Rache die Rede.

HB STUTTGART. Unter der Führung von Heidelberg Cement wollen einige Konkurrenten die Nummer Vier der sechs Branchengrößen, die Ratinger Readymix AG, unter sich aufteilen. Von 700 bis 800 Mill. € reichen die Schätzungen für den Kaufpreis, den das Trio aus Heidelberg Cement, der schweizerischen Holcim und der Ulmer Schwenk Zement KG an den britischen Readymix-Eigentümer RMC zahlen müsste. Ziel wäre dann wohl die Schließung eines Teils der sechs Readymix-Zementwerke in Westfalen und Brandenburg, um Überkapazitäten abzubauen.

„Das ist zu viel Geld, als dass sich das für die drei Käufer rechnen könnte“, urteilt ein Readymix-Manager. In Ratingen vermutet man ohnehin andere Beweggründe: Ein in der Branche kursierender Geheimplan (“Operation Stinktier“) habe nur die Absicht, einen unliebsamen Wettbewerber auszuschalten, der mit dem Kartellamt bei vergangenen Untersuchungen zu Preisabsprachen in der Branche zusammengearbeitet hatte. „Die wollen ihre alten Strukturen wieder neu aufbauen“, sagt der Readymix-Mann. Ein Machtblock aus vier bis fünf Herstellern solle entstehen, wie er in Großbritannien oder Frankreich seit Jahren existiert. Bei solch einem Oligopol brauche man auch Preisabsprachen nicht mehr, sondern könne ähnlich wie Mineralölkonzerne die Preise im Wechselspiel erhöhen - und das dann ganz legal.

Das hat auch das Kartellamt schon auf den Plan gerufen. Bei 50 Prozent Marktanteil liegt die absolute Schmerzgrenze der Wettbewerbshüter, die Marktanteile von Heidelberg Cement (gut 20 Prozent), Schwenk (13) und Holcim addieren sich bereits jetzt aber auf mehr als 40 Prozent. Die Unternehmen verweisen darauf, dass der Zementmarkt regional gegliedert, die deutschlandweite Marktmacht also kaum relevant sei. „In anderen Ländern sind die Marktführer deutlich stärker“, sagt BW-Bank-Analyst Marc Nettelbeck.



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