Kartellamt will prüfen
Kabel-BW-Übernahme steht auf der Kippe

Das Bundeskartellamt will die Übernahme von Kabel BW "vertieft prüfen". Der US-Kabelriese Liberty Goal, der den Konzern für 3,2 Milliarden Euro kaufen will, hat deswegen schon vorgesorgt.
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DüsseldorfDie milliardenschwere Übernahme von Kabel BW durch den US-Kabelriesen Liberty Global steht auf der Kippe. Das Bundeskartellamt machte klar, dass es den Deal nicht einfach durchwinken wird. „Angesichts der Komplexität des Falles werden wir wahrscheinlich vertieft prüfen“, sagte eine Sprecherin. Experten zufolge sind die Chancen von Liberty, dass die 3,2 Milliarden Euro schwere Übernahme von Deutschlands drittgrößtem Kabelbetreiber durchgeht, damit deutlich gesunken.

Das Kartellamt steht Zusammenschlüssen in der Kabelbranche traditionell skeptisch gegenüber. Liberty, geführt vom US-Medienmogul John Malone, will Kabel BW vom Finanzinvestor EQT übernehmen. Der Kauf wurde im März besiegelt. Damals hatte Liberty in letzter Minute die Beteiligungsgesellschaft CVC als rivalisierenden Bieter ausgestochen.

Malone gehört in Deutschland bereits Unitymedia. Zusammen mit Kabel BW will der Manager ein Gegengewicht zu Branchenprimus Kabel Deutschland aufbauen. Das mögliche Veto der Kartellwächter galt von Anfang an als Unsicherheitsfaktor.

Der bisherige Eigentümer EQT hatte sich deshalb abgesichert: Bekommt Liberty kein grünes Licht, würde Kabel BW bei der Investmentbank JPMorgan zwischengeparkt. Erlöst die Bank bei einem dann fälligen Weiterverkauf weniger als die vereinbarten 3,2 Milliarden Euro, trägt Liberty das finanzielle Risiko, wie die Nachrichtenagentur Reuters von mehreren mit der Transaktion vertrauten Personen erfahren hatte.

Banker gehen davon aus, dass ein neuer Verkaufsanlauf die zuletzt unterlegenen Interessenten wieder auf den Plan ruft - allerdings nicht zu den ursprünglich gehandelten Preisen. Die vertiefte Prüfung durch das Kartellamt kann sich formell nun über drei Monate hinziehen. Damit haben die Wettbewerbshüter noch bis etwa Mitte November Zeit für eine Entscheidung für oder gegen Liberty.

Einen Erfolg konnte das Kartellamt bereits für sich verbuchen: Es luchste der eigentlich zuständigen EU-Kommission den Fall ab. Das war möglich, weil sich Unitymedia und Kabel BW nur in Deutschland tummeln.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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