Kartellvorwürfe
Spielzeughersteller wehren sich

Die Angelegenheit ist kein Kinderspiel mehr: In Frankreich sehen sich die großen Spielwarenhersteller, darunter auch das deutsche Unternehmen Playmobil, schweren Vorwürfen durch das Kartellamt gegenüber. Die Rechnung für verbotene Preisabsprachen könnte für die Firmen noch teuer werden.

PARIS/MÜNCHEN. Die Spielzeugproduzenten verteidigen sich gegen die schweren Kartellvorwürfe, die zu Wochenbeginn in Frankreich bekannt wurden. „Playmobil hat den Kartellbehörden alle nötigen Unterlagen zur Verfügung gestellt, um zu beweisen, dass unsere Handelspraktiken im Einklang mit den Gesetzen stehen“, sagte Bruno Berard, Geschäftsführer von Playmobil France, dem Handelsblatt.

Andere große Hersteller äußerten sich am Dienstag ähnlich. „Wir sind überzeugt davon, dass wir nicht gegen Gesetze verstoßen haben“, sagte ein Sprecher des US-Konzerns Hasbro der Nachrichtenagentur Bloomberg. Hasbro habe die Preise nicht künstlich in die Höhe getrieben.

Die französische Kartellbehörde ermittelt derzeit gegen eine ganze Reihe großer Spielzeugproduzenten, darunter Weltmarktführer Mattel und die Nummer zwei, Hasbro. Betroffen sind allerdings auch die großen deutschen Anbieter Playmobil und Ravensburger. Die Beamten vermuten, dass die Unternehmen die Preise abgesprochen haben. So sollen sie Supermärkte und Fachhändler in Frankreich für Leistungen bezahlt haben, die gar nicht erbracht wurden.

Konkret vermuten die Ermittler, dass die Spielwarenproduzenten mit Ketten wie Carrefour, Intermarché, Casino, Auchan, Joué Club und Toys’R’Us fiktive Handelskooperationen geschlossen haben, um die Preise in die Höhe zu treiben.

Diese Handelskooperationen sind eine Besonderheit der französischen Preisgesetzgebung, dem so genannten „Loi Galland“. Demnach darf ein Händler Waren nicht unter seinem Einkaufspreis verkaufen. Um bei Preiserhöhungen durch die Zulieferer wie den großen Markenkonzernen die Marge zu erhöhen, stellt der Händler dem Zulieferer eine zweite Rechnung über so genannte kommerzielle Dienstleistungen aus. Beispiel: Der Händler positioniert die Waren eines bestimmten Herstellers in seinem Sortiment besonders gut sichtbar. Für diese Vorzugsbehandlung bestimmter Produkte bekommt der Händler dann einen Rabatt auf die bezogene Ware. Dieser Rabatt wird aber nicht auf den Verkaufspreis berechnet und erhöht somit die Marge des Händlers.

Das Kartellamt geht nun davon aus, dass die Spielehersteller mit den Ketten fiktive Verkaufshilfen abgerechnet haben, um den Verkaufspreis für die Kunden künstlich zu erhöhen.

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