„Kastenpreise von 15 Euro“
Radeberger-Chef prophezeit Bierverteuerung

Biertrinker in Deutschland müssen sich im kommenden Jahr wohl auf deutlich höhere Preise einstellen. Der Chef des deutschen Marktführers Radeberger nennt Zahlen.

HB FRANKFURT/MAIN. Wegen der explodierenden Malzpreise, steigender Energie- und Lohnkosten sowie der höheren Mehrwertsteuer werde ein Kasten Bier um bis zu 1 Euro teurer, sagte der Chef der Radeberger-Gruppe, Ulrich Kallmeyer, am Mittwoch in Frankfurt. „Der Markt sollte sich an Kastenpreise von 15 Euro gewöhnen.“ Radeberger gehört zu den Premium-Marken in Deutschland mit entsprechend hohen Preisen.

Nach einem Absatzplus in diesem Jahr von etwa 0,8 Prozent dank der Fußball-WM und des guten Sommerwetters müsse die Bierbranche 2007 mit einem Rückgang von 2,5 Prozent rechnen. Der Verdrängungswettbewerb werde sich deshalb verschärfen, sagte Kallmeyer.

Die Radeberger-Gruppe, die zum Familienunternehmen Dr. August Oetker KG in Bielefeld gehört, ist in diesem Jahr nach Angaben von Kallmeyer mit einem Anteil von 15 Prozent zum Marktführer in Deutschland aufgestiegen. Der Umsatz werde knapp 1,3 Mrd. Euro, der Absatz 15 Mill. Hektoliter erreichen. Bis zum Jahr 2010 soll der Marktanteil auf „20 Prozent plus“ steigen. Neben dem Ausbau einzelner Marken seien auch weitere Zukäufe geplant. Von Januar bis Oktober setzte die Gruppe 0,4 Prozent mehr Bier ab als im Vorjahreszeitraum. Angesichts der schwierigen Integration der Dortmunder Brau-und-Brunnen-Gruppe sei dies ein Erfolg.

Aus dem Discount-Segment mit Preisen unter 6 Euro pro Kasten, das bereits einen Marktanteil von 30 Prozent hat, will sich die Privat-Brauereigruppe konsequent zurückziehen. „Billigstbier zur Auslastung der Kapazitäten überschwemmt den Markt und verunsichert die Verbraucher in der Wertschätzung der Gattung Bier“, kritisierte Kallmeyer. Bei Preisschlachten bleibe am Ende die Qualität auf der Strecke. Die Radeberger-Gruppe habe sich in den vergangenen Jahren von 1,5 Mill. Hektolitern margenarmen Handelsmarken verabschiedet und 8 Mill. Hektoliter Kapazitäten aus dem Markt genommen. Zudem werde sie ihre bereits stillgelegten Dosenanlagen endgültig abbauen. „PET-Biere und Dosenbiere sind in Deutschland nicht die Renner“, stellte der Unternehmenschef fest.

Im Ausland will die Radeberger-Gruppe nicht aktiv werden. „Wir konzentrieren uns auf Deutschland“, betonte Kallmeyer. Die Kunst sei, angesichts des rückläufigen Marktes und des Wachstums der Billigstbiere das verbleibende Segment auszubauen. So seien 2007 die Einführung eines Weizenbiers mit Grapefruit-Geschmack und neue Flaschen und Kästen für Radeberger geplant.

Die Gruppe braut an 14 Standorten in ganz Deutschland Bier. Sorgen bereitet der Standort Dortmund mit der Zusammenführung von Brinkhoffs und der Dortmunder Actien-Brauerei. Die Radeberger Gruppe habe in Dortmund in sechs Jahren mehr als 100 Mill. Euro verloren. „Sie braucht den Standort, aber sie braucht ihn anders als er ist“, sagte Kallmeyer. Deshalb werde mit Betriebsrat und Gewerkschaft über Kostensenkung verhandelt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%