Katalog- und Zeitschriftenmarkt unter Druck
Sparkurs bei neuem Druckriesen Prinovis

Der neue Tiefdruckkonzern Prinovis muss massiv sparen, um die Renditeerwartungen der Gesellschafter Bertelsmann und Springer zu erfüllen. Wie das Handelsblatt aus Gesellschafterkreisen erfuhr, soll der Katalog- und Zeitschriftendrucker in den nächsten sieben Jahren 110 Mill. Euro einsparen. Dies soll auch über einen Stellenabbau erfolgen. Eine Arbeitsplatz- oder Standortgarantie werde es nicht gegen, hieß es bei Prinovis.

NÜRNBERG/HAMBURG. Der in Hamburg ansässige Druckkonzern beschäftigt derzeit an den Standorten Nürnberg, Itzehoe, Ahrensburg, Darmstadt und Dresden 4 300 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt nach Unternehmensangaben bei rund einer Mrd. Euro. Besonders gefährdet ist offenbar der Standort Darmstadt, heißt es in Hamburger Gesellschafterkreisen. In der hessischen Tiefdruckerei arbeiten rund 370 Mitarbeiter in Schichtbetrieb. Derzeit werden pro Jahr rund 110 000 Tonnen Papier bedruckt. Prinovis lehnte eine Stellungnahme zu den Sparplänen ab. Auch die Gesellschafter Arvato und Springer wollten keinen Kommentar abgeben.

„Das Unternehmen wird künftig weniger Mitarbeiter brauchen, wenn der Geschäftsbetrieb reibungslos angelaufen ist“, prognostiziert Iris Schäfer, Analystin bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). Sie geht davon aus, dass die Synergien bei Prinovis bereits in ein bis zwei Jahren voll greifen. Die Darmstadter Druckerei hatte Europas größter Zeitungskonzern in das fusionierte Unternehmen eingebracht.

Der „Bild“-Konzern ist nicht in der Führungsriege von Prinovis vertreten. Der Tiefdruckriese wird vom früheren Bertelsmann-Manager Stephan Krauss geführt. Der 43-jährige Rheinländer gilt als Vertrauter von Hartmut Ostrowski, Chef des Mediendienstleisters Arvato. Er will am Dienstag auf einer Pressekonferenz Einzelheiten zum neuen Druckkonzern nennen.

Die Tiefdruckereien stehen unter besonderem Zugzwang. Ihnen macht die Krise im Versandhandel zu schaffen. „Der Markt ist anspruchsvoll. Durch das Experimentieren der Versandhäuser entsteht eine große Unsicherheit“, sagt ein Druckmanager. Bei Prinovis stammen 40 Prozent der Umsätze aus dem Katalog-Geschäft. Zu den Großkunden gehören der Nürnberger Versandhändler Quelle und der fränkische Konkurrent Baur. Weitere 40 Prozent erwirtschaftet das Unternehmen mit der Produktion von Zeitschriften. Doch auch die Verlage haben mit der seit vier Jahren anhaltenden Rezession auf dem deutschen Werbemarkt schwer zu kämpfen. Als Folge der Anzeigenschwäche hat sich die Seitenzahl der Zeitschriften im Vergleich zum Boomjahr 2000 deutlich verringert. „Die Werbebudgets sind knapp. Daher gibt es keine großen Erwartungen“, sagt Uwe Hack, Finanzvorstand der Schlott Gruppe. Der Tiefdruckkonzern ist nach Prinovis die Nummer zwei in Deutschland.

Nächstes Jahr soll die Integration bei Prinovis abgeschlossen sein. Ab 2006 soll der Konzern auf Wachstumskurs gehen. Prinovis komme in Europa auf einem Marktanteil von 25 Prozent, sagte James Siever, Generalsekretär des Tiefdruckverbandes European Gravure Association. Für steigende Erlöse soll dann die neue Tiefdruckerei im englischen Liverpool sorgen. Das Werk soll im zweiten Quartal 2006 starten. „In England gibt es eine klare Unterversorgung“, heißt es bei Prinovis.

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