Katar könnte einsteigen
Daimler und Berlin pokern um EADS

Die Zukunft von EADS steht auf der Kippe: Daimler will mindestens 7,5 Prozent an der Airbus-Mutter verkaufen. Das Emirat Katar wäre interessiert. Doch der Einstieg stößt auf Vorbehalte. Nun kann man sich die leisten?

München, Berlin, StuttgartDer Chef des milliardenschweren Staatsfonds des Emirats Katar, Ahmad Mohammed Al-Sayed, hat gestern weitere Investitionen in Deutschland angekündigt. Der Scheich heizt damit Spekulationen an, dass sich die Araber an der deutsch-französischen Airbus-Mutter EADS beteiligen könnten.

Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums sagte, man kommentiere "laufende Verhandlungen" nicht. Die Bundesregierung suche weiter bis Jahresende einen Investor, der die von Daimler bei Banken geparkten 7,5 Prozent an EADS übernimmt. Eine Gruppe von Banken, darunter die staatliche KfW und einige Landesbanken, hatte von Daimler einen Anteil von 7,5 Prozent übernommen, die Stimmrechte aber an Daimler übertragen.

Doch diese Konstruktion ist brüchig: 2013 könnten die Geldhäuser ihre Anteile frei am Markt verkaufen, die von Berlin erwünschte deutsch- französische Parität bei EADS wäre dahin. Ein deutscher Käufer für das Paket ist aber nicht in Sicht. Daimler will die Anteile allerdings auch nicht mehr.

EADS ist wegen ihrer Verteidigungssparte und des Flugzeugbaus ein hochpolitisches Unternehmen. Eine direkte Beteiligung Katars mit Stimmrecht ist aber weder für Berlin noch Paris tragbar. Hinter den Kulissen wird daher an einem Kompromiss gefeilscht: Katar übernimmt die 7,5 Prozent von den Banken und wird eine Art stiller Teilhaber von EADS.

Die Stimmrechte aber bleiben bei Daimler. Die Stuttgarter würden dann weiter mit 22,5 Prozent die Parität mit dem französischen Staat und dem Medienunternehmer Arnaud Lagardère halten. Daimler hofft aber weiter, die staatseigene KfW zum Kauf weiterer Anteile überreden zu können. Bislang lehnt Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) dieses Ansinnen jedoch ab.

EADS-Manager reagieren zunehmend gereizt auf die Diskussionen um einen möglichen Ausstieg von Daimler. "Die Unsicherheit über die zukünftige Anteilsverteilung bei EADS hilft uns im Markt nicht", schimpfte erst am Wochenende John Leahy, Marketingvorstand der Flugzeugtochter Airbus. Auch EADS-Chef Louis Gallois hatte mehrfach Klarheit von Daimler gefordert.

Erschwert wird der Aktienverkauf durch die Entwicklung der A350. Airbus will den "Dreamliner"-Konkurrenten bereits 2013 ausliefern, kämpft aber mit dem Zeitplan. Probleme mit der Auslieferung könnten den Aktienkurs belasten. Daimlers französischer Gegenpart Lagardère hat deshalb jüngst erklärt, seine Anteile vorerst behalten zu wollen.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent
Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
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