Kaufprämie für Elektroautos Eine Spende für die Oberklasse

Die deutschen Autobosse reisen nach Berlin, um bei Kanzlerin Merkel zu werben: Bis zu 5000 Euro Bonus sollen Käufer eines Elektroautos bekommen. Damit könnten am Ende Oberklasse-Modelle subventioniert werden.
Riesen-SUVs wie der Audi Q7 e-tron könnten in den Genuss einer Elektroprämie kommen. Quelle: AFP
Ein Bonus für den Audi-Fahrer

Riesen-SUVs wie der Audi Q7 e-tron könnten in den Genuss einer Elektroprämie kommen.

(Foto: AFP)

DüsseldorfEine Kaufprämie für Elektroautos scheint auf den ersten Blick überfällig. Das Vorhaben der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, scheint ohne zusätzliche Anreize kaum noch erreichbar zu sein. Im vergangenen Jahr wurden erneut gerade einmal 12.300 echte Elektroautos in Deutschland zugelassen. Elektroautos sind selten, Ladestationen noch seltener. Die Energiewende auf deutschen Straßen ist bisher nicht mehr als ein Wunschtraum. In Ländern wie Norwegen, in denen Käufer einen Bonus erhalten, verkaufen sich Elektroautos deutlich besser.

Darum scheint der kleine Elektrogipfel, der an diesem Dienstag in Berlin stattfinden soll, eine geradezu historische Chance für eine deutsche Elektrooffensive zu sein. Die mächtigen Autobosse Matthias Müller (VW), Dieter Zetsche (Daimler) und Harald Krüger (BMW) werben bei Kanzlerin Angela Merkel für eine Kaufprämie. Rückendeckung geben Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und seine bayerische Amtskollegin Ilse Aigner. Bis zu 5000 Euro sollen für jedes verkaufte Elektroauto fließen, heißt es.

Doch die Kanzlerin sollte genau hinschauen, was die Autobosse ihr vorlegen. Sonst könnte aus der Prämie am Ende nur eine weitere versteckte Subvention für deutsche Oberklassemodelle werden.

Denn bisher fehlen der deutschen Autoindustrie schlicht Modelle, die überhaupt einen Durchbruch des Elektroantriebs im Volumensegment möglich machen. Elektroautos aus Deutschland sind immer noch zu teuer, ihre Reichweite zu gering. Während GM mit dem Bolt und Tesla mit dem Model 3 bereits neue Autos für den elektrischen Massenmarkt angekündigt haben, wartet man noch vergeblich auf eine deutsche Antwort.

„Die Automobil-Industrie hat 29 verschiedene Elektrofahrzeuge im Angebot und damit ihren Beitrag geleistet“, behauptet zwar Daimler-Chef Dieter Zetsche. Dabei bietet Daimler derzeit genau ein Elektromodell an: Die elektrische B-Klasse. Wie viele Exemplare davon im vergangenen Jahr verkauft wurden, will man in der Daimler-Pressestelle lieber nicht verraten. Es dürften nicht allzu viele sein. Denn die elektrische B-Klasse ist satte 14.000 Euro teurer als der vergleichbare Verbrenner. Die Produktion des elektrischen Smarts wurde mit dem Modellwechsel vorübergehend ganz eingestellt. Erst Ende 2016 soll die Neuauflage kommen. Preis und Reichweite: unbekannt.

Konkurrent BMW ist da schon einen Schritt weiter. Mit BMWi haben die Münchener immerhin eine eigene elektrische Submarke aufgebaut. Doch auch BMW hat mit dem i3 bisher nur ein vollelektrisches Modell im Angebot. Ein Modell, das mit 160 Kilometern rein elektrischer Reichweite und einem Preis ab 35.000 Euro bisher eher ein Ladenhüter ist. Nach dem ernüchternden Start haben es die Münchener zumindest nicht eilig, ihre elektrische Modellpalette auszubauen.

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Audi E-Tron Quattro-Concept
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Die auf der IAA präsentierte Studie gibt einen konkreten Ausblick auf das Anfang 2018 präsentierte rein elektrisch angetriebene SUV. Angetrieben wird die Studie von drei Elektromotoren, die gemeinsam 370 kW/505 PS Leistung und mehr als 800 Newtonmetern Drehmoment bieten.

Ein Ausblick auf das für 2018 geplante rein elektrisch angetriebene SUV.
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Eine E-Maschine treibt die Vorderachse an, die beiden anderen wirken auf die Hinterachse. Wird das Gaspedal voll durchgetreten, sprintet das Audi E-Tron Quattro Concept in 4,6 Sekunden auf Tempo 100, bei 210 km/h wird abgeregelt. Der Fahrer entscheidet mit Hilfe verschiedener Fahrmodi über den Grad der Rekuperation.

Angetrieben wird die Studie von drei Elektromotoren.
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Die Lithium-Ionen-Batterie ist in den Boden der Fahrgastzelle integriert und sorgt damit für einen tiefen Schwerpunkt. Mit einer Vollladung soll die 95 kWh-Batterie mehr als 500 Kilometer Reichweite ermöglichen.

Das Laden erfolgt entweder mit Gleich- oder mit Wechselstrom. Mit Gleichstrom dauert es an einer Ladesäule mit 150 kW-Leistung rund 50 Minuten bis das Konzeptfahrzeug komplett aufgeladen ist. Alternativ kann der fünftürige E-Tron Quattro auch per Induktion geladen werden.

Um den Luftwiderstand zu verringert wurde die Studie besonders flach gehalten.
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Auf der Frontklappe, an den Flanken und am Heck steuern bewegliche Aerodynamik-Elemente ab einer Geschwindigkeit von Tempo 80 den Luftstrom. Kameras ersetzen die herkömmlichen Außenspiegel. Trotz des abfallenden Dachs finden vier Passagiere viel Platz im 4,88 Meter langen E-Tron. Der Gepäckraum der Studie fasst 615 Liter.

Besonders flaches und helles Licht
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An der Front wird Matrix-Laser-Technologie eingesetzt. Die Signaturbeleuchtung im unteren Bereich besteht aus fünf Leuchten-Elementen. Jedes von ihnen kombiniert einen LED-Leuchtkörper mit besonders flachen sogenannten OLED-Elementen. Diese „Organic Light Emitting Diode“ hat der Ingolstädter Autobauer für künftige Serienfahrzeuge entwickelt und zeigt sie nun erstmals in dieser Konzeptstudie.

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Technisch markiert das Concept Car Audis erstes reines Elektroauto. Ein früheres Projekt mit einem elektrischen R8 war eingestellt worden.

500 Kilometer Reichweite:
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400 davon nach nur 30 Minuten Ladezeit, sind eine klare Ansage.

Und auch bei Deutschlands größtem Autobauer VW sieht das Angebot nicht viel besser aus. Die elektrischen Hoffnungsträger, die der Konzern bis 2018 angekündigt hat, sind vor allem Oberklassemodelle. Da ist zum einen der Audi Q6 E-tron, ein Riesen-SUV mit gleich zwei Elektromotoren und der Porsche Mission E, ein elektrischer Sportwagen mit rund 600 PS. Der Budd-E, ein elektrischer Kleinbus, den VW zuletzt auf der CES in Las Vegas zeigte, könnte erst ab 2019 in Serie gehen – wenn überhaupt.

Mit dem Golf und dem Up haben die Wolfsburger zwar zwei Volumenmodelle elektrifiziert. Doch mit dem Preisschild hält man die Kunden bisher erfolgreich vom Kauf ab. Beim Golf ist der Einstiegspreis der elektrischen Variante mit 34.900 Euro gleich doppelt so hoch, beim Up verlangt VW fast den dreifachen Preis für den elektrischen Antrieb. Entsprechend gering sind die Zulassungszahlen. Da helfen auch 5000 Euro Bonus wenig. Warum fordern die deutschen Autobosse dann eine Kaufprämie?

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