Kaufpreis beträgt 325 Millionen Euro
Linde trennt sich von traditionsreicher Kältetechnik

Der Wiesbadener Industriegase- und Gabelstaplerspezialist Linde kommt bei seinem Konzernumbau weiter voran und trennt sich von seiner traditionsreichen Kältetechnik-Sparte.

HB WIESBADEN. Der Kältetechnik-Bereich sei für 325 Mill. Euro an die Carrier Corporation, eine Tochter des in Hartford im US-Bundesstaat Connecticut ansässigen Konzerns United Technologies verkauft worden, teilte Linde am Montag in Wiesbaden mit. Analysten hatten eine Entscheidung über die Zukunft des Kältetechnik-Geschäfts bereits seit Wochen erwartet.

„Der Verkauf der Linde Kältetechnik ist für uns eine wichtige strategische Weichenstellung. Wir konzentrieren uns künftig auf unsere ertrags- und wachstumsstarken Bereiche Gas und Engineering sowie Material Handling“, kommentierte Linde-Chef Wolfgang Reitzle den Schritt. Die traditionsreiche Kältetechniksparte - Linde war 1879 als „Gesellschaft für Linde's Eismaschinen“ in der Form einer Aktiengesellschaft gegründet worden - war unlängst bereits ausgegliedert und rechtlich verselbstständigt worden.

Analysten äußerten sich positiv zur Höhe des erzielten Kaufpreises. Die im Deutschen Aktienindex Dax notierte Linde-Aktie lag am Montagnachmittag in einem schwachen Gesamtmarkt kaum verändert bei 43,96 Euro.

Die Sparte, die unter anderem Kühlregale für die Lebensmittelbranche produziert, war die kleinste im Linde-Konzern mit einem Jahresumsatz von 866 Mill. Euro 2003. Linde hat einen Jahresumsatz von rund neun Mrd. Euro. Der Bereich mit der Firmenzentrale in Köln und Fertigungsstätten in Europa, Südamerika und Asien beschäftigt 6 300 Mitarbeiter. Die Sparte galt als vergleichsweise margenschwach und hatte in der jüngsten Vergangenheit unter der Investitionszurückhaltung im Lebensmittel-Einzelhandel gelitten. Der Verkauf steht nach Linde-Angaben noch unter Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden.

Der zur Kältetechniksparte gehörende Ladenbau in Deutschland mit 28 Mill. Euro Jahresumsatz werde von Carrier nicht übernommen, teilte Linde mit. „Der Ladenbau bleibt vorerst bei Linde. Über eine langfristige strategische Lösung wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden“, sagte ein Sprecher.

Carrier ist nach Linde-Angaben Weltmarktführer in der Klima-, Heizungs- und Kühltechnik. Das in 172 Ländern vertretene Unternehmen beschäftigt etwa 40 000 Mitarbeiter und weist einen Jahresumsatz von 7,5 Mrd. Euro aus.

Analysten werteten den Schritt positiv. Manche Experten hatten mit einem geringeren Verkaufspreis gerechnet. „Positiv überrascht bin ich was die Schnelligkeit des Verkaufs und die Höhe des erzielten Preises betrifft“, sagte M.M.Warburg-Analyst Eggert Kuls. Er habe die Aktie daraufhin auf „Kaufen“ von zuvor „Halten“ mit einem Kursziel von 52 Euro nach oben gestuft, ergänzte er. Linde konzentriere sich nun auf seine ertragsstärkeren Sparten Industriegase und Material Handlung. Winfried Becker, Analyst beim Bankhaus Sal.Oppenheim merkte an: „Insgesamt ist der Schritt sicherlich positiv zu bewerten.“ Linde habe sich schon seit längerem mit dem Thema Kältetechnik befasst. „Linde liefert nun das, was die Kapitalmärkte erwartet hatten“, ergänzte er.

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