Kaufpreis wird erst im September bezahlt
Strabag spart für den Züblin-Kauf

Auch nach dem Kauf des deutschen Baukonzerns Züblin durch die österreichische Strabag will Strabag-Chef Hans Peter Haselsteiner die Eigenkapitalquote des Konzerns nicht unter 20 Prozent sinken lassen. Geld will Strabag über eine Anleihe aufnehmen. Eine Eigenkapitalquote von mehr als 20 Prozent sei für die Finanzierung von Bauprojekten unumgänglich, sagte Haselsteiner dem Handelsblatt.

oli WIEN. Züblin werde sich künftig auf den Ingenieur-Hoch- und Tiefbau konzentrieren, Strabag werde sich vor allem im Straßenbau betätigen und andere Einsatzbereiche an Züblin abgeben. Beide Unternehmen werden getrennt als Aktiengesellschaften nach deutschem Recht geführt. Synergien ergäben sich deswegen nicht, bedauerte Haselsteiner „Wir brauchen zwei Vorstandsgremien, zwei Aufsichtsräte, zwei Wirtschaftsprüfer. Aber wir können mit dieser Lösung die nächsten fünf bis zehn Jahre leben“, sagte er.

Züblin, derzeit mit einer Eigenkapitalquote von rund zehn Prozent ausgestattet, macht künftig von der Größe her ein Fünftel des Strabag-Konzerns aus. Um die Liquiditätsversorgung in der gesamten Gruppe nicht zu gefährden, will Haselsteiner weiter sparen und „Doppelgleisigkeiten vermeiden“. Auch für die Arbeitsplätze gibt er keine Garantie. „Nur in einem äußerst optimistischen Szenario kann der Verlust von Arbeitsplätzen in einzelnen Geschäftsbereichen durch den Aufbau von Stellen anderswo wettgemacht werden“, meinte er. Der Kauf soll im September vollzogen werden, wenn die Wettbewerbsbehörden bis dahin zugestimmt haben.

Optimistisch ist Haselsteiner allerdings, was die deutsche Baukonjunktur anbelangt. Es könne in der größten Volkswirtschaft Europas nicht ewig abwärts gehen. „Solange wir ein ausgeglichenes Ergebnis in Deutschland erzielen, können wir das aushalten“ hatte der Strabag-Chef bereits früher erklärt und hinzugefügt, dass er derzeit Gewinne in Deutschland dafür brauche, um Sozialpläne zu finanzieren. Die Strabag-Gruppe verdient ihr Geld vor allem durch Aufträge in den neuen Mitgliedstaaten der Europäischen Union und ist Marktführer für Bauleistungen in Mitteleuropa.

Unterdessen sieht die Konkurrenz der Vergrößerung der Strabag nicht tatenlos zu. Herbert Bodner, Chef von Deutschlands zweitgrößtem Baukonzern Bilfinger Berger, stellte gestern auf einer Investorenkonferenz in Frankfurt fest, dass er „Zukäufe auf Grund seiner guten Finanzausstattung für machbar“ halte. Bilfinger Berger verfüge über ausreichend Barmittel, die „Spielraum für Zukäufe“ ließen. Ende März betrug der Bestand an liquiden Mitteln 661 Mill. Euro.

Anders als Haselsteiner setzte Bodner bislang allerdings auf Akquisitionen außerhalb Europas. Bereits in den vergangenen Jahren hat sich Bilfinger Berger vor allem mit Zukäufen in den USA und Australien unabhängiger vom schwächelnden deutschen Baugeschäft gemacht.

Inzwischen allerdings denkt der Konzernchef auch an den Aufbau eines Straßenbaugeschäfts in Deutschland und macht damit der Strabag direkte Konkurrenz. Mit der Ausgabe von Anleihen will Bilfinger Berger „zusätzliche finanzielle Spielräume für Unternehmenszukäufe“ erhalten.

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