Kaum Interesse
VWs Angebot kommt bei MAN-Aktionären nicht gut an

Bisher sind nur wenige Aktionäre von MAN auf das Übernahmeangebot des Autobauers VW eingegangen. Die Annahmefrist für das Angebot endet bald und VW gehören nur drei Prozent der Stammaktien.
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HamburgVolkswagen kommt bei seinem Übernahmeangebot für MAN seinem Ziel in Tippelschritten näher. Bis Dienstagabend verfügte Europas größter Autobauer über einen Stimmrechtsanteil von 33 Prozent an dem Münchner Nutzfahrzeug- und Maschinenkonzern, wie Volkswagen am Mittwochmorgen mitteilte. Demnach wurden VW seit Beginn der Annahmefrist Ende Mai knapp drei Prozent der Stammaktien zum Kauf angeboten. Erfahrungsgemäß werden viele Papiere noch in den letzten Stunden vor Ablauf eines Angebots verkauft. Die Annahmefrist endet am Mittwoch um Mitternacht. Die Wolfsburger streben einen Anteil zwischen 35 und 40 Prozent an. Damit könnte Europas größter Autobauer die Geschicke des bayerischen Lkw-Bauers bestimmen.

Das endgültige Ergebnis wird in den nächsten Tagen erwartet. Volkswagen hatte seinen Anteil an MAN vor kurzem über die 30-Prozent-Schwelle gehoben und musste daher allen anderen Anteilseignern ein Pflichtangebot unterbreiten. Obwohl sich die Offerte formal an die Aktionäre des Münchner Konzerns richtet, will Volkswagen damit vor allem die Erlaubnis der Kartellbehörden zu einer Allianz seiner Tochter Scania mit MAN einholen. Durch eine engere Zusammenarbeit der beiden Lastwagenkonzerne bei Einkauf, Entwicklung und Produktion will Volkswagen milliardenschwere Kostenvorteile erzielen. Ob das Angebot bei den MAN-Aktionären auf Gegenliebe trifft, spielt dabei für VW keine Rolle. Geboten werden 95 Euro je MAN-Stammaktie - das Papier notierte am Mittwoch bei 92,30 Euro und damit deutlich unter der Offerte.

Die EU-Kommission hatte zu Wochenanfang den Versuch von Volkswagen ausgebremst, bereits vor der Genehmigung durch die Wettbewerbshüter die Kontrolle im MAN-Aufsichtsrat zu übernehmen. Die Wolfsburger zogen daraufhin die Kandidatur von Konzernchef Martin Winterkorn, Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch und Lkw-Vorstand Jochem Heizmann für das Gremium zurück. Alle drei gehören dem Kontrollrat des schwedischen MAN-Rivalen Scania an, der von VW kontrolliert wird.

Die VW-Führung soll nun erst nach der Überprüfung durch Brüssel in den MAN-Aufsichtsrat einziehen, die in den nächsten Wochen förmlich beantragt werden soll. Da der mächtige VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piech und Audi-Chef Rupert Stadler dem Gremium bereits angehören, würde VW dann fünf von acht Vertreter der Kapitalseite in dem Gremium stellen. Piech sitzt bereits dem Aufsichtsrat von MAN vor.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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