Kaum neue Halbleiterfabriken
Chipkonzerne lassen Deutschland links liegen

Wermutstropfen im heimatlichen Rausch des Wirtschaftswachstums: Der gesamte Zweig der Computerchipindustrie droht an Deutschland vorbei zu wachsen. Die Standortprobleme der EU und der Bundesrepublik lassen andere Kontinente zum Magnet für die Branche werden.

jojo MÜNCHEN. Die Chipindustrie steckt jährlich viele Milliarden in neue Werke. Nach Einschätzung des Branchenverbands ZVEI werden diese Investitionen künftig jedoch weitgehend an Deutschland vorbei gehen. „Niemand will hier zu Lande eine Fertigung mit der modernen 300-Millimeter-Technologie bauen“, sagte gestern Peter Bauer, Infineon-Vorstand und Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Elektronische Baulelemente. Stattdessen würden neue Fabriken vor allem in Asien, aber auch in Amerika errichtet.

Zuletzt hat der Münchener Speicherchip-Produzent Qimonda vor zwei Wochen angekündigt, ein neues Werk in Singapur zu bauen. Die Fabrik kostet zwei Mrd. Euro und produziert auf Basis von 300 Millimeter großen Scheiben, so genannten Wafern. Dies ist die fortschrittlichste, aber auch teuerste Technologie der Halbleiterbranche.

Die Gründe dafür, dass sich immer mehr Halbleiterfirmen für Asien entscheiden, liegen laut Bauer auf der Hand: „Die zurückhaltende Förderpolitik der EU verhindert Neuansiedelungen. In Asien dagegen locken Investitionshilfen und Steuererleichterungen.“ Dazu kommt, dass der schwache Dollar die Produktion in Europa unattraktiv macht. Weil im Chipgeschäft oft in Dollar abgerechnet wird, ist die Produktion im Euro-Raum vielen Firmen zu teuer.

Und noch etwas bremst den Standort Deutschland aus: Immer mehr Abnehmer sitzen in Asien. „In Deutschland bleiben vor allem zwei Branchen als Käufer übrig: Die Industrie- und die Automobilelektronik“, sagte Wolfgang Hofmann vom amerikanischen Chiphersteller Freescale.

Kein Wunder, dass das Geschäft mit elektronischen Bauteilen weltweit besser läuft als in Deutschland. So schrumpfte der Markt vergangenes Jahr hier zu Lande um 1,5 Prozent; weltweit ging es um acht Prozent nach oben. Für 2007 rechnet der ZVEI mit einem Plus von 3,3 Prozent in Deutschland. Global soll das Wachstum sieben Prozent betragen. Der Unterschied liegt nicht nur daran, dass Kunden abwandern. Der starke Euro drückt die Umsätze der einheimischen Anbieter. Letzte große Investition der Chipindustrie in Deutschland war die Werkserweiterung des US-Konzerns AMD in Dresden. Sein neues Werk baut AMD allerdings in den USA. Dort erhält AMD höhere Subventionen.

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