Kaum noch Quartals-Ausblicke: Ende der Kurzfristprognosen

Kaum noch Quartals-Ausblicke
Ende der Kurzfristprognosen

US-Unternehmen verabschieden sich zunehmend von ihren Kurzfristprognosen. Grund dafür sind die heftigen Kurseinbrüche trotz guter Quartalszahlen. Die Firmen setzen stattdessen wie die Europäer auf Prognosen für das Gesamtjahr und erhoffen sich davon geringere Kursschwankungen. Trotz prominenter Ausreißer nach unten schlugen die US-Firmen im vierten Quartal die Erwartungen. 2006 dürfte sich der Trend kaum abschwächen.

DÜSSELDORF. „Weniger Unternehmen sind bereit, eine Prognose für das nächste Quartal zu liefern“, sagt David Dropsey vom Finanzdatenspezialisten Thomson Financial. Motorola kündigte an, ab Juli keine Gewinnprognosen mehr zu geben. Der zweitgrößte Hersteller von Mobiltelefonen steigerte im vierten Quartal seinen Nettogewinn um 80 Prozent. Doch die Aktie verlor sechs Prozent. Grund: Motorola kürzte geringfügig die zuvor geweckten Erwartungen für das erste Quartal.

Intel wurde Opfer seiner Prognose zur Halbzeit des Quartals und will künftig das so genannte „Midquarter Update“ weglassen. Im November hatte der Chipgigant Umsätze prognostiziert, die das Management nicht einhalten konnte. Binnen Minuten verlor Intel 15 Mrd. Dollar an Marktwert – fast das Dreifache des Infineon-Börsenwerts.

Insgesamt veröffentlichen nach einer Umfrage des Branchenverbandes National Investor Relations noch rund 70 Prozent der US-Unternehmen eine Quartalsprognose. Vor drei Jahren waren es fast 80 Prozent. Hingegen nahmen Jahresvorhersagen fast um das Doppelte auf 60 Prozent zu. In Deutschland sind Quartalsausblicke nicht üblich.

„Für die Unternehmenschefs sind Kurzfristprognosen eine Gratwanderung zwischen dem Bestreben, kommunikationsfreudig zu sein, und der Gefahr, Fehlprognosen rechtfertigen zu müssen. Eine falsche Prognose verzeihen die Märkte, mehrere aber nicht“, sagt Karlheinz Küting, Direktor des Instituts für Wirtschaftsprüfung an der Universität Saarbrücken. Einerseits fordern die Kapitalmärkte regelmäßige und exakte Vorhersagen, andererseits können US-Anleger und die Börsenaufsicht SEC Firmen für Fehler haftbar machen.

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