Kautabak
Marlboro rauchfrei

Rückläufiger Zigarettenkonsum lässt die Branche nach Alternativen suchen: Philip Morris verkauft unter der Marke Marlboro bald rauchfreie Tabakprodukte wie Kautabak. Doch dank immer neuer Preiserhöhungen bleibt auch das Zigarettengeschäft hochprofitabel.

NEW YORK. Angesichts stagnierender Märkte und immer neuer Rauchverbote in öffentlichen Einrichtungen wagt der US-Zigarettenhersteller Philip Morris ein ungewöhnliches Manöver in seinem Heimatmarkt. Wie das Unternehmen am Wochenende mitteilte, sollen unter der bekannten Marke Marlboro ab August auch rauchfreie Tabakprodukte – in Skandinavien bekannt unter dem Namen Snus – angeboten werden. Dabei handelt es sich um fein gemahlenen Tabak, der mit Salz, Wasser sowie Aromastoffen versetzt und als Kautabak hinter die Oberlippe geschoben wird.

Philip Morris werde die Produktlinie Marlboro Snus in vier Geschmacksrichtungen anbieten und zunächst in der Region um Dallas im US-Bundesstaat Texas testen, hieß es. Damit betritt der größte US–Zigarettenhersteller Neuland. Bisher wird der Markt für Kautabak von der US-Firma UST dominiert, deren Marken Skoal und Copenhagen es jeweils auf mehr als eine Mrd. Dollar Umsatz bringen. Auch der Philip-Morris-Rivale Reynolds hat sich zuletzt in der Sparte der rauchlosen Tabakprodukte verstärkt. Er kaufte im vergangenen Jahr die Firma Conwood für 3,5 Mrd. Dollar und bietet seitdem unter seiner Zigarettenmarke Camel ebenfalls Kautabak an.

Die Hersteller sind auf der Suche nach Alternativen zum Glimmstängel, weil ihr Kerngeschäft vor allem in den großen West-Märkten schrumpft. Während der Konsum von Zigaretten in den USA im Vorjahr um 1,3 Prozent rückläufig war, wächst der Markt für rauchlose Tabakprodukte seit mehr als einer Dekade mit jährlichen Raten zwischen drei und vier Prozent.

Diversen Studien zufolge ist diese Form des Konsums weniger gesundheitsschädlich als das Rauchen von Zigaretten oder Zigarren, weil das Tabakgemisch nicht verbrannt wird und daher weniger krebserregende Substanzen entstehen. Ein regelmäßiger Konsum könne dennoch Mundhöhlen- und Bauchspeicheldrüsenkrebs sowie Herz- und Kreislauf-Erkrankungen auslösen, heißt es bei der deutschen Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Die europäischen Tabak-Richtlinien verbieten den gewerblichen Verkauf von Snus in der gesamten EU mit Ausnahme von Schweden. Seit dem Beitritt des Landes zur EU 1995 besteht dort eine Ausnahmeregelung. In Schweden hat Snus eine lange Tradition und wird insbesondere von Jugendlichen konsumiert.

Philip Morris, eine Tochter des US-Konzerns Altria, hat zuvor bereits einen ersten Versuch zur Vermarktung von Kautabak unternommen. Branchenanalysten zufolge sei der Test unter der Marke Taboka jedoch nicht erfolgreich ausgefallen. Deshalb erfolge jetzt der Wechsel auf das „Zugpferd“ Marlboro.

Ungeachtet des rückläufigen Konsums bleibt das Geschäft mit der Zigarette angesichts immer neuer Preiserhöhungen hochprofitabel für die Branche. So konnte Altria seinen Umsatz im Vorjahr dank eines wachsenden ausländischen Tabakgeschäfts und solider Ergebnisse in den USA um 3,6 Prozent auf 101,4 Mrd. Dollar erhöhen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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