Kein Ende des Booms in Sicht
Stahlpreise setzten Höhenflug fort

Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor hat angekündigt, 2005 weiter an der Preisschraube drehen zu wollen. Bei auslaufenden Verträgen werde das Unternehmen bei seinen Kunden Preiserhöhungen von „mindestens 20 %“ durchsetzen, kündigte Arcelor-Vorstandschef Guy Dollé am Sonntag in Istanbul vor Beginn der Welt-Stahlkonferenz an.

HB ISTANBUL. „Wenn wir keine Einigung erzielen, werden wir nicht mehr liefern“, sagte Dollé. Auf Welt-Stahltagung an diesem Montag und Dienstag in Istanbul werden die Branchengrößen vertreten sein.

Ein Ende des derzeitigen Stahlbooms sei auch im kommenden Jahr nicht in Sicht, meinte Dollé. Eher sei mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. „Das pessimistischte Szenario ist, dass es 2005 noch einmal so gut wird wie in diesem Jahr“, sagte er. Für die Stahlindustrie sei 2004 das beste Jahr seit mehr als 30 Jahren. Getragen werde der Boom vor allem von der kräftig gestiegene Stahlnachfrage in China.

Der Netto-Importbedarf Chinas werde sich in diesem Jahr gegenüber 1999 auf 35 Mill. Tonnen mehr als verdoppeln, rechnete Dieter Ameling, Präsident der Wirtschaftsvereinigung Stahl, vor. „China bereitet sich auf die Olympischen Spiele 2008 vor und braucht viel Stahl für die Infrastruktur, daran besteht kein Zweifel“, sagte Ameling der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Nach seiner Einschätzung produzieren die deutschen Stahlwerke nahe der Kapazitätsgrenze. „Die Rohstahlproduktion wächst in diesem Jahr voraussichtlich um 3 % auf mehr als 45,5 Mill. Tonnen. Der Stahlbedarf wird im kommenden Jahr noch einmal um 2 % zulegen.“

„Die Rohstoffe für Erz, Schrott und Kohle bleiben weiter knapp. Das wird sich auch auf den Stahlpreis auswirken.“ Vor dem Hintergrund der um rund 18 % gestiegenen Rohstoffkosten habe das Unternehmen „keine andere Wahl“ als die Preise zu erhöhen, sagte Dollé. Die Kunden müssten sich daran gewöhnen, dass Preissteigerungen von jährlich nur zwei Prozent derzeit der Vergangenheit angehörten.

„Bei Neuverträgen darf man derzeit den Preis fast selbst einsetzen“, hatte zuvor der Vorstandsvorsitzende der Salzgitter AG, Wolfgang Leese, berichtet. Auch der deutsche Stahlkonzern könne sich seine Kunden derzeit aussuchen. Als Folge von Lieferengpässen beim Vormaterial Stahl lägen derzeit sogar Produktionskapazitäten in der Mülheimer Röhrenfertigung des Unternehmens in Höhe von rund 300 000 Tonnen brach.

Leese zeigte sich überzeugt, dass das Unternehmen nach einem kräftigen Anstieg des Konzernergebnisses vor Steuern von 16,6 Mill. € auf 81,7 Mill. € im ersten Halbjahr im Gesamtjahr ein Vor-Steuer-Ergebnis von 160 Mill. € erzielen könne. Der Umsatz werde nach 2,77 Mrd. € in den ersten sechs Monaten im Gesamtjahr „deutlich über fünf Mrd. € liegen“.

Zur Sicherung der Versorgung mit Koks sei Arcelor am Abschluss von langfristigen Verträgen mit dem Essener RAG-Konzern interessiert, sagte Dollé. Zu einer möglichen Kapitalbeteiligung von Arcelor an einem Ausbau der Bottroper RAG-Kokerei Prosper wollte er sich jedoch nicht äußern.

Einen Fixpreis für Koks, wie er von RAG-Chef Werner Müller ins Gespräch gebracht worden war, könne er jedoch nicht akzeptieren. Auch möglichen Plänen zum Bau einer neuen deutschen Kokskohlenzeche erteilte er eine Absage.

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