Kein gemeinsamer Nenner bei Verkaufsoption: Verhandlungen zwischen Fiat und GM gescheitert

Kein gemeinsamer Nenner bei Verkaufsoption
Verhandlungen zwischen Fiat und GM gescheitert

Der italienische Fiat-Konzern und der US-Autohersteller General Motors (GM) haben bei ihren Verhandlungen über die umstrittene Verkaufsoption der Fiat Autosparte keinen gemeinsamen Nenner gefunden. Die Verhandlungen wurden ohne Ergebnis beendet.

HB MAILAND. Weiterhin beharrten beide Unternehmen auf ihren Positionen. „Fiat macht weiter geltend, dass die Put-Option gültig, vollstreckbar und für den Konzern von großem Wert ist. Der Put kann ab heute ausgeübt werden“, hieß es am Mittwoch in einer Mitteilung Fiats. Ein Sprecher von GM Europe sagte dagegen: „Uns stehen noch alle Möglichkeiten offen - das hat sich nicht geändert. Und wir werden diese Möglichkeiten zum angemessenen Zeitpunkt nutzen.“ An den Finanzmärkten war auf eine außergerichtliche Einigung in letzter Minute spekuliert worden, bei der GM bis zu 1,8 Mrd. € dafür gezahlt hätte, dass Fiat auf seine Option verzichtet. Für GM wäre eine Übernahme der unprofitablen Fiat Auto eine zusätzliche Belastung, hat der Konzern doch ohnehin mit Verlusten in Europa zu kämpfen.

Um eine Einigung zu erzielen, hatten sich beide Unternehmen bis Mitternacht am Dienstag Zeit gegeben. Nun könnte Fiat die Option ausüben und ein langwieriger Rechtsstreit droht. Die Verkaufsoption für den Turiner Konzern ist Teil einer breit gefassten Allianz zwischen Fiat und GM, die im Jahr 2000 vereinbart wurde. GM hält die Option allerdings wegen des Verkaufs der Finanzierungstochter Fidis und einer Kapitalerhöhung bei Fiat Auto nicht mehr für gültig. Durch die Kapitalerhöhung hatte sich die GM-Beteiligung an der Autofirma auf zehn Prozent halbiert. Fiat argumentiert, die Kapitalerhöhung sei rechtlich nötig gewesen. Bei Fidis besitze Fiat Auto eine Rückkauf-Option. Analysten halten es für wahrscheinlich, dass das italienische Unternehmen vor Gericht Recht bekommen würde.

Ab sofort kann Fiat die Verkaufsoption ausüben. Das Unternehmen müsste dann GM darüber informieren und beide Unternehmen hätten zehn Tage Zeit, sich auf einen Wert für Fiat Auto zu einigen. Liegen die Vorstellungen zu weit auseinander, werden vier Investmentbanken - mit der Preisfindung beauftragt. Dafür hätten sie 20 Tage Zeit. Weichen alle vier Bewertungen der Banken um nicht mehr als 15 % voneinander ab, wird der Durchschnitt als Preis für die Put-Option festgesetzt. Anderenfalls wird die Bewertung, die am stärksten vom Durchschnitt der beiden unabhängigen Banken abweicht, gestrichen der Preis wird als der Durchschnitt der übrigen drei Bewertungen ermittelt.

Wenn der Preis feststeht, kann Fiat seine Option immer noch zurückziehen. Besteht Fiat auf dem Verkauf, kann GM in bar, in Aktien oder in einer Kombination aus beidem Zahlen. Analysten erwarten, dass sich bei Fiat Auto überhaupt kein Marktwert ergibt, sondern dass GM lediglich die Schulden der Fiat-Sparte übernehmen müsste, die sich auf rund 8,5 Mrd. € belaufen.

Selbst wenn Fiat die Option ausübt, behält der Konzern gemäß den Vereinbarungen mit GM weiter Einfluss auf Fiat Auto. In den ersten fünf Jahren nach Übernahme müsste GM mit dem Fiat-Chef über die Ernennung eines Chefs von Fiat Auto beraten. Während dieser Zeit wäre GM auch verpflichtet, Die Konzernzentrale, das Markenmanagement und die Forschungs- und Entwicklungsabteilung in Turin zu belassen. Fiat darf zudem entscheiden, ob die derzeitige Autotochter weiter den Firmennamen tragen darf und ob dafür Lizenzgebühren fällig werden. Fiat Auto müsste noch fünf Jahre lang die selben Mengen an Komponenten und Ausstattungen von den Fiat-Töchtern Magnetti Marelli, Teksid und Comau kaufen.

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