Kein IPO
Siemens verschiebt Börsengang für Osram

Nun ist es offiziell: Die Siemens-Tochter Osram legt ihren milliardenschweren Börsengang auf Eis. Grund ist der Kurssturz an den weltweiten Börsen. Das torpediert den von Siemens-Chef Löscher eingeleiteten Konzernumbau.
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München/FrankfurtDer Elektrokonzern Siemens verschiebt den für Herbst geplanten Börsengang seiner Lichttochter Osram. Der Konzernvorstand halte zwar unverändert an einem Börsengang fest, teilte Siemens am Mittwoch in München mit. In Anbetracht des hochvolatilen Umfeldes an den Kapitalmärkten und möglicher Wirkungen auf das Branchenumfeld solle er jedoch zu einem späteren Zeitpunkt anstatt wie bisher geplant im Herbst stattfinden.

Der Konzern halte jedoch grundsätzlich an den Plänen für einen Börsengang fest. Dies habe der Vorstand erneut bestätigt. Siemens strebe nach wie vor eine Minderheitsbeteiligung an und beabsichtige, als Ankeraktionär langfristig an Osram beteiligt zu bleiben.

Die Verschiebung des Börsengangs torpediert den von Siemens-Chef Löscher eingeleiteten Konzernumbau. Denn die Weiterentwicklung der technisch aufwendigen und modernsten Beleuchtungstechniken mittels Leuchtdioden und Halbleitern sowie der Konkurrenzkampf gegen die Rivalen Philips oder General Electric wird in den nächsten Jahren viel Geld bei Osram verschlingen - Geld, das Siemens-Chef Peter Löscher lieber in den Aufbau der neuen Konzernsparte „Infrastructure & Cities“ für Infrastrukturlösungen in den weltweit stark wachsenden Städten stecken würde. Deshalb sollte Osram noch in diesem Herbst an die Börse - und Siemens in Zukunft als „Ankeraktionär“ an der sicher geglaubten Brillanz auf dem Parkett teilhaben können.

Schon am Montag war bekannt geworden, dass Siemens angesichts des Absturzes an den Börsen keine Chance mehr sieht, in diesem Jahr genügend Investoren für die Aktien des Lichttechnik-Unternehmens zum gewünschten Preis zu finden. Siemens wollte durch den Börsengang der Tochter mindestens drei Milliarden Euro erlösen.

Das 1906 gegründete Unternehmen aus München gehört seit 1919 zum größten deutschen Elektrokonzern. Von der Wirtschafts- und Finanzkrise mit Gewinneinbruch, Abbau von Arbeitsplätzen und Kurzarbeit hatte sich das Unternehmen schnell erholt. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen mit seinen rund 40.000 Mitarbeitern in 17 Ländern einen Umsatz von 4,7 Milliarden Euro - fast 90 Prozent davon im Ausland. Vor Steuern und Zinsen blieb ein Gewinn von rund 570 Millionen Euro.

Auch andere Konzerne zögern mit dem Schritt aufs Parkett: Die Eigentümer von Evonik, der Finanzinvestor CVC und die RAG Stiftung, hatten bereits am Wochenende ihre Börsenpläne auf Eis gelegt. Evonik hätte im Oktober oder November rund ein Viertel der Anteile an die Börse bringen und damit vier bis fünf Milliarden Euro bei Anlegern einsammeln wollen. Doch die Bundesregierung, die maßgeblichen Einfluss auf den Mehrheitseigentümer RAG-Stiftung ausübt, habe angesichts des Umfelds an den Finanzmärkten zu große Abschläge befürchtet, hieß es in Finanzkreisen.

 

Carina Kontio ist Redakteurin im Ressort Unternehmen & Märkte.
Carina Kontio
Handelsblatt / Redakteurin Unternehmen
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