Kein Nachfolger
Daimler verzichtet auf neuen Strategievorstand

Daimler-Strategievorstand Rüdiger Grube verlässt voraussichtlich den Autobauer und wird neuer Bahnchef. Auf seinem Vorstandssessel wird dennoch kein Nachfolger Platz nehmen. Weil der Einfluss des Strategievorstandes in den vergangenen Jahren geschrumpft ist, übernimmt Vorstandschef Zetsche Grubes Aufgaben.

STUTTGART/FRANKFURT. Der Autokonzern Daimler liebäugelt angesichts des bevorstehenden Wechsels des bisherigen Strategievorstands Rüdiger Grube an die Spitze der Deutschen Bahn mit einer Verkleinerung des Stuttgarter Vorstands. Einflussreiche Stimmen im Aufsichtsrat plädieren dafür, auf eine Neubesetzung des Strategievorstands im Führungsgremium der Stuttgarter zu verzichten, wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr.

Für das Management der Beteiligungen müsse zwar ein Nachfolger gefunden werden, diese Position müsse aber nicht mehr auf Vorstandsebene angesiedelt sein, sagte eine mit der Situation vertraute Person. Eine Daimler-Sprecher wollte sich zu diesem Thema gestern nicht äußern.

Fest steht aber: Mit dem Ausstieg bei Mitsubishi, dem Verkauf der damaligen MTU Friedrichshafen (heute Tognum), der Trennung von Chrysler und der Verringerung der Beteiligung am Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS wurde der Aufgabenbereich des Strategievorstandes immer kleiner. Daimler-Chef Dieter Zetsche dürfte nicht überfordert sein, Grubes restlichen Aufgaben künftig mit zu übernehmen.

Zwei Jahre nach dem ersatzlosen Ausscheiden von Chrysler-Chef Tom LaSorda und Einkaufschef Thomas Sidlik zeichnet sich damit bei dem unter massivem Sparzwang stehenden Autobauer eine weitere Reduzierung des Vorstands auf fünf Köpfe ab. Eine endgültige Entscheidung sei aber noch nicht getroffen, hieß es in Stuttgart.

Aber vor allem die Arbeitnehmerbank dürfte angesichts des von Daimler-Boss Zetsche angeordneten massiven Sparprogramms bei der Belegschaft eine Neubesetzung im Daimler-Vorstand nicht ohne Widerstand hinnehmen. Der Daimler-Betriebsrat wollte gestern das Thema allerdings nicht kommentieren. Der Autobauer hatte tags zuvor angekündigt, wegen des heftigen Absatzeinbruchs im laufenden Jahr bei seinen Beschäftigten in Deutschland zwei Milliarden Euro Personalkosten einsparen zu wollen. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm hatte dabei gefordert, dass auch Vorstand und Führungskräfte einen größeren Beitrag zum Sparprogramm leisten müssten. Es könne nicht sein, dass bei den hohen Einkommen nur die variablen Bestandteile gekürzt würden, während die übrigen Beschäftigten substantielle Einbußen im Grundgehalt hinnehmen müssten. Mit dem Ausscheiden von Grube könnte den Forderungen der Arbeitnehmerseite jetzt vergleichsweise elegant Rechnung getragen werden, indem der Posten einfach unbesetzt bleibt.

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