Kein nachhaltiger Aufschwung gesehen
Chemiebranche hat 2003 bereits abgeschrieben

Die deutsche Chemiebranche hat das Jahr 2003 trotz zarter Anzeichen für eine Besserung der Geschäftslage im zweiten Halbjahr bereits weitgehend abgeschrieben.

Reuters FRANKFURT. „Einen nachhaltigen Aufschwung wird es in diesem Jahr voraussichtlich nicht mehr geben“, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) am Dienstag in seinem Zwischenbericht mit. Zwar rechneten knapp 30 % der Chemieunternehmen mit einer Verbesserung der Chemiekonjunktur in den kommenden sechs Monaten. Seit dem Tiefpunkt im Mai sei die Branche zunehmend optimistischer. „Die Erholung dürfte aber nur moderat ausfallen“, schätzte der Verband. Zudem würde sie sich hauptsächlich auf das Exportgeschäft beschränken. Im zweiten Quartal produzierte die Chemieindustrie rund 0,9 % weniger als im ersten Vierteljahr, der Umsatz der Branche sank um 1,6 %. Die Erzeugerpreise legten lediglich um 0,4 % zu.

Die Chemiebranche gilt als frühzyklische Industrie, die Veränderungen des konjunkturellen Umfelds in den Auftragsbüchern immer schon als erste spürt, da sie praktisch sämtliche Wirtschaftszweige mit ihren Produkten beliefert.

Trotz der erwarteten leichten Verbesserung der Geschäftslage im zweiten Halbjahr werde das Jahr 2003 aber schwierig bleiben, schätzte der Dachverband. Für das Gesamtjahr werde nur von einem mageren Produktionsplus von 0,5 % ausgegangen. Beim Umsatz könne die Branche nur noch mit einem Anstieg von 2,5 % rechnen. Noch im Juli war ein 3,5-prozentiges Umsatzplus in Aussicht gestellt worden. Beim Exportgeschäft wird 2003 mit einem dreiprozentigen Anstieg gerechnet. Bei den Erzeugerpreisen für Chemieprodukte wird lediglich ein zweiprozentiger Zuwachs erwartet.

Der Absatz von Chemikalien in Europa bleibe zunächst schwach. „Der für uns wichtige Chemiemarkt Europa wird sich voraussichtlich nur langsam erholen“, prognostizierte der Dachverband. Deutschland werde gemessen am Wirtschaftswachstum voraussichtlich auch 2003 das Schlusslicht in Europa sein. Daher seien die Erwartungen der Branche für das Deutschlandgeschäft zurückhaltend. Dagegen sei es möglich, dass das weitere Exportgeschäft wie schon früher - etwa nach der Asienkrise - zum Konjunkturmotor für die deutsche Chemieindustrie werden könnte. Dabei werde der starke Euro die Ausfuhren nur leicht dämpfen.

Im ersten Quartal hatten Weiterverarbeiter ihre Eingangslager für Chemieprodukte noch in Erwartung höherer Preise aufgefüllt. Wegen nicht verbesserter Absatzchancen sanken die Bestellungen für Chemikalien im zweiten Quartal aber, teilte der VCI mit. Unternehmen drosselten daher ihre Chemieproduktion. Der Auslandsumsatz stagnierte nach VCI-Angaben im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, was vor allem an der schwachen Nachfrage aus Europa gelegen habe. Der zuletzt sichtbare Anstieg der Erzeugerpreise für Chemieprodukte setzte sich im zweiten Quartal nicht weiter fort. Seit Mai sinken nach Verbandsangaben die Preise für Chemieprodukte wieder.

Nach Einschätzung von Experten haben sich die Hoffnungen auf eine rasche Konjunkturerholung im zweiten Quartal nach dem Irak-Krieg nicht erfüllt. „Zwar hatte sich der Ölpreis im zweiten Quartal wieder auf rund 26 Dollar stabilisiert, aber dennoch blieb der Aufschwung für das Chemiegeschäft in den meisten Regionen aus“, kommentierte Chemie-Analystin Silke Stegemann von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP).

Nach Einschätzung von Martin Rödiger von der DZ Bank hat die Dynamik bei der Erzeugerpreisentwicklung nachgelassen. „Die Preise einiger wichtiger Vorprodukte sind zurückgegangen, so dass auch der Kostendruck bei den Unternehmen etwas nachgelassen hat,“ merkte er an. Wichtiger sei aber, dass die Nachfrage im zweiten Quartal schwach gewesen sei. Dies könne im dritten Quartal anhalten. „Dann dürften im dritten Quartal die Erzeugerpreise gegenüber dem zweiten Quartal sogar fallen“, sagte er.

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