Kein Schadstoffverbot
First Solar gewinnt gegen Solarworld

Bittere Pleite für Solarworld: Der Erzrivale und die weltweite Nummer eins, First Solar, darf weiterhin das umstrittene Cadmiumtellurid in seinen Dünnschicht-Modulen verbauen, entschied das EU-Parlament. Der deutsche Konkurrent hatte ein Verbot des des hochgiftigen Metalls gefordert.
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HB BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Der weltgrößte Solarkonzern First Solar, der auch in Deutschland produziert, darf weiterhin das umstrittene Cadmiumtellurid in seinen Dünnschicht-Modulen verbauen. Das Europäische Parlament stimmte am Mittwoch in Straßburg dafür, die Solarbranche vom Schadstoffverbot in Elektrogeräten auszunehmen. In der Solarbranche tobt seit längerem ein Streit über die bei den Modulen verwendeten Stoffe. Der deutsche Erzrivale von First Solar, Solarworld, fordert ein Verbot des hochgiftigen Metalls. Solarworld produziert Module auf Basis von Silizium, die in der Herstellung teurer als Dünnschichtmodule, aber effektiver sind.

"Damit hat Solarworld verloren und First Solar gewonnen", hieß es im Europäischen Parlament. Solarworld will nach dem weiterhin erlaubten Cadmium-Einsatz nun seine Abnehmer in die Pflicht nehmen. "Die Kunden müssen nun entscheiden, ob sie sich Cadmium aufs Dach schrauben oder nachhaltig produzierte Solarmodule", sagt Solarworld-Sprecher Milan Nitzschke. First Solar betonte dagegen, Solarmodule seine nicht mit Haushaltsgeräten zu vergleichen. Außerdem betreibe der Konzern bereits eigene vorfinanzierte Rückhol- und Recyclingprogramme, die ihre gesamte Produktion abdecken

Die schon seit 2004 geltende EU-Richtlinie verbietet den Einsatz bestimmter schädlicher Stoffe in Elektronikgeräten. Die Revision des Gesetzes weitet das Verbot etwa von Blei und Quecksilber auf mehr Geräte als bisher aus. Die Ausnahmeregelung für die Solarmodule war im Parlament umstritten. Konservative, Liberale und Grüne stimmten im federführenden Umweltausschuss dafür. Die Cadmium-Module hätten insgesamt eine bessere Umweltbilanz als die Silizium-Module, argumentierten die Grünen.

Die Sozialdemokraten hatten Bedenken darüber, ob die Entsorgung durch die freiwillige Rücknahmepflicht der Industrie ausreichend gewährleistet ist. "Ein Sektor wie die Solarenergie, der umweltpolitischen Modellcharakter haben sollte, zieht sich hier aus der Verantwortung", kritisierte die SPD-Europaabgeordnete Jutta Haug. Ein Verbot von Cadmiumtellurid müsse vor der nächsten Revision der Richtlinie geprüft werden.

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  • "Solarworld produziert Module auf basis von Silizium, die in der Herstellung teurer als Dünnschichtmodule, aber effektiver sind."

    Diese Aussage ist irreführend. Unter dem Strich sind Module von First Solar günstiger. Genau aus diesem Grund werden Solarparks meist mit Modulen von First Solar und nicht von Solarworld gebaut. Zwar ist der Wirkungsgrad der Module von First Solar geringer. Doch pro Watt sind sie trotzdem günstiger, sie sind halt nur etwas größer.

    Richtig wäre hingegen die Aussage: Module manch chinesischer Anbieter sind effektiver als Module von Solarworld und zudem noch günstiger. Anbieter aus China (Yingli, Suntech) haben oft Module mit höheren Wirkungsgraden und zudem sind sie günstiger. Das ist dann ein echter Kostenvorteil für die Käufer. beim Vergleich First Solar/Solarworld hat Solarworld zwar höhere Wirkungsgrade, aber auch höhere Preise. Rechnet man diese beiden Faktoren gegeneinander auf, sieht man: aus einem First Solar Modul holt man pro eingesetztem Euro mehr Solarstrom heraus.
    Wahrscheinlich deshalb möchte Solarworld ja auch, dass First Solar vom Markt verschwindet. Und wahrscheinlich auch deshalb lästert Solarworld über chinesische Solarmodule.
    Statt dafür zu sorgen, günstigeren Solarstrom als First Solar oder chinesische Hersteller zu produzieren werden PR-Aktionen gegen beide gefahren. Vielleicht auch weil man es nicht schafft, besser zu sein als die anderen?????

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