Kein Stellenaufbau in Deutschland – Qualifizierte Jobs werden ins Ausland verlagert
Großkonzerne zeigen dem Arbeitsmarkt die kalte Schulter

Die spürbar bessere Stimmung in der deutschen Wirtschaft zeigt am Arbeitsmarkt noch keine Wirkung. Schaffen deutsche Konzerne neue Stellen, dann vor allem in Nordamerika, Asien und Osteuropa, also an den Zielen der strategischen Expansion. Nicht einmal qualifizierte Jobs bleiben vom Zug ins Ausland verschont.

wb FRANKFURT/M. Zwar will der Softwarekonzern SAP die Zahl seiner Beschäftigten durch den Ausbau der Entwicklung strategischer Projekte im zweiten Halbjahr leicht erhöhen. Doch Einstellungen im Entwicklungsbereich erfolgen insbesondere an kostengünstigeren Standorten wie Sofia, Bangalore oder Shanghai, wie SAP bestätigt. Auch der Pharmakonzern Altana will in den nächsten drei Jahren mehr als 2 000 neue Jobs schaffen, einige auch in Deutschland. Doch vor allem in Nordamerika und Asien ist der Konzern auf der Suche nach Mitarbeitern.

Da viele Kostensenkungs-Programme bei Großunternehmen bis Ende 2004, einige sogar bis 2006 laufen, fahren die meisten Konzerne ihre Belegschaft im Inland weiter zurück. „Konzernweit werden bis Ende 2004 rund 2 000 (von 69 790) Stellen abgebaut“, heißt es zum Beispiel bei der Reise-Gruppe Tui. Auch die chemische Industrie legt vorerst eher Kapazitäten still, um die Auslastung im Tal der Branchenkonjunktur auf akzeptablem Niveau zu halten.

Bayer etwa hält an seinem im September 2002 verkündeten Sparprogramm fest. Dort werden von Mitte 2003 bis Ende 2005 konzernweit noch rund 7 600 Stellen entfallen. BASF geht gleichfalls davon aus, „dass sich der rückläufige Trend bei der Personalstandsentwicklung in Deutschland in absehbarer Zeit weiter fortsetzen wird.“ Degussa, drittgrößter deutscher Chemiekonzern, wird im Rahmen eines seit 2001 laufenden Programms bis 2004 noch 1 000 Stellen streichen.

Und werden neue Stellen geschaffen, sind es Jobs für Hochqualifizierte. So wird Bayer in diesem Jahr rund 120 Computerexperten, Ingenieure und Naturwissenschaftler anheuern, BASF insgesamt 250 Akademiker – allerdings nicht in Deutschland. Grundsätzlich aber habe in der Großchemie die Sicherung von Beschäftigung Priorität vor der Schaffung neuer Stellen, bringt es die Degussa auf den Punkt. Bayer-Personalstratege Herbert Kötter bestätigt: „Derzeit ist ein Stellenaufbau in Deutschland nicht denkbar.“

Betroffen ist indessen nicht nur das Inland. BASF strafft die Belegschaften in ganz Europa sowie in Nord- und Südamerika. Nur an wenigen Orten weltweit tätigt die Branche Erweiterungsinvestitionen, für die neues Personal an Bord kommt. Degussa hat in den beiden vergangenen Jahren in Asien und Osteuropa rund 1 500 neue Arbeitsplätze geschaffen. Auch BASF stellt an ihren neuen Standorten in Asien kräftig ein – zu ortsüblichen Konditionen.

Die Versorger Eon und RWE sind langfristig orientiert. Eon will bis 2006 rund 3 500 Stellen – davon zwei Drittel im Inland – abbauen, RWE bis 2005 etwa 1 000, vor allem Führungskräfte. In beiden Konzernen steht allerdings der Konzernumbau hinter dem Abbau.

Als wirksames Mittel gegen Stellenabbau haben sich indessen flexible Beschäftigungsmodelle erwiesen. Damit überwand die Lufthansa die jüngste Branchenkrise ohne größere Personaleinbußen. Und VW meldet stabile Beschäftigungsverhältnisse und sogar noch leichten Personalbedarf als Erfolg des Arbeitszeitmodells 5 000 x 5 000.

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