Kein Strategiewechsel geplant
Neuer Mittal-Chef macht Thyssen Hoffnung

Der Stahl-Magnat Lakshmi Mittal hat überraschend den Chefposten des neuen Konzerns Arcelor Mittal übernommen. Der Chefwechsel macht Verkauf des kanadischen Stahlkonzerns Dofasco nach Deutschland möglich. Thyssen-Krupp darf wieder hoffen.

LONDON / DÜSSELDORF. Der Gründungschef Roland Junck tritt nach nur drei Monaten für den Hauptaktionär zur Seite. Für den deutschen Konkurrenten Thyssen-Krupp wachsen damit die Chancen, doch noch den kanadischen Stahlhersteller Dofasco übernehmen zu können.

Lakshmi Mittal versicherte auf einer Pressekonferenz, dass sich weder an der Konzernzentrale Luxemburg noch an der Strategie etwas ändern werde. Er werde alle Zusagen einhalten, die er im Rahmen der Übernahme gegeben habe. Bei einer könnte ihm das jetzt leichter fallen: Mittal hatte Thyssen-Krupp den kurz zuvor von Arcelor gekauften kanadischen Stahlhersteller Dofasco versprochen, falls er mit seiner Übernahme erfolgreich ist. Mit dem zwischen beiden Konzernen vereinbarten Kaufpreis von 3,8 Mrd. Euro will Mittal einen Teil der insgesamt 26 Mrd. Euro teuren Arcelor-Übernahme finanzieren.

Mittal sagte auf Anfrage, der Chefwechsel stehe nicht in Zusammenhang mit Dofasco. Der Verwaltungsrat habe der Stiftung jedoch mitgeteilt, dass er nun Vorstandschef sei. „Nun muss die Stiftung entscheiden, was im Sinne aller Beteiligten die beste Lösung ist“, sagte Mittal salomonisch.

In Konzernkreisen hieß es dagegen, die drei früheren Arcelor-Vorstände Roland Junck, Michel Wurth und Gonzalo Urquijo lehnten einen Weiterverkauf von Dofasco an Thyssen-Krupp weiterhin ab. Nach der Ernennung von Lakshmi Mittal zum neuen Chef habe die Mittal-Seite mit vier von sieben Stimmen nun aber die Mehrheit im Vorstand. Thyssen-Krupp lehnte eine Stellungnahme ab. „Wir warten auf die endgültige Entscheidung zu Dofasco“, sagte ein Konzernsprecher. Diese wird in zwei bis drei Wochen erwartet.

Dofasco ist wichtiger Bestandteil der Nordamerika-Strategie von Thyssen-Krupp. Der Konzern will seinen Marktanteil in den USA und Kanada von fünf auf zehn Prozent verdoppeln. Zusätzlich zu Dofasco wird Thyssen-Krupp ein neues Stahlwerk im Süden der USA bauen.

Nachdem er die Integration der Stahlkonzerne Arcelor und Mittal vorangetrieben habe, sei es für die Struktur des Unternehmens am besten, wenn Lakshmi Mittal die Führungsrolle selbst übernehme, sagte der zurückgetretene Junck. Er habe das dem Verwaltungsrat am Sonntag selber vorgeschlagen. Einen besseren Vorstandschef könne man in der Branche nicht finden, fügte Verwaltungsratschef Joseph Kinsch hinzu. Analysten zeigten sich jedoch über den Schritt überrascht.

Lakshmi Mittal hatte Arcelor Ende Juni nach sechsmonatigem hartem Kampf übernommen. Anfang August wurde überraschend der ehemalige Arcelor-Vorstand Junck zum Vorstandschef berufen. Lakshmi Mittal beschränkte sich auf den Posten des Präsidenten des Verwaltungsrats, während sein Sohn Aditya Mittal als Finanzchef in den Vorstand ging. Den Posten des Chairmans im fusionierten Konzern besetzte Kinsch – wie zuvor bei Arcelor. Doch der 73-Jährige kündigte schon damals an, nach zwei Jahren auszuscheiden. Gestern ließ er sich nichts über eine Nachfolgeregelung entlocken. „Wir haben uns heute bei einem Treffen mit dem luxemburgischen Ministerpräsidenten darauf geeinigt, das an dem Tag zu klären, an dem ich in Ruhestand gehe“, sagte Kinsch. Ministerpräsident Jean-Claude Juncker habe sich laut Kinsch auch damit einverstanden erklärt, dass Mittal künftig selbst als Vorstandschef firmiert. Er bleibt auch Mitglied des Verwaltungsrates. Obwohl die gestern ebenfalls veröffentlichten Quartalszahlen des Konzerns über den Erwartungen lagen, gab die Mittal-Aktie leicht nach.

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