Kein Streikaufruf geplant
IG Metall wehrt sich gegen Verzicht auf Lohnerhöhung

In den festgefahrenen Tarifverhandlungen um die Zukunft der 103 000 Beschäftigten in den westdeutschen VW-Werken steht heute eine Vorentscheidung an: „Das Unternehmen muss zumindest signalisieren, dass es einige für uns unhaltbare Positionen räumt“, sagte IG-Metall-Verhandlungsführer Hartmut Meine dem Handelsblatt.

hof FRANKFURT. Ansonsten werde der Druck weiter erhöht. Begleitet werden die Verhandlungen von Warnstreiks in vier der sechs Werke. Der Chef der VW-Delegation Josef Fidelis Senn beharrt aber auf einem Ergebnis, das dem Konzern milliardenschwere Kostenentlastungen bringt. Die dazu vorgeschlagene Neuordnung der Entgeltgruppen käme nach Gewerkschaftsangaben einem „mehrjährigen Einfrieren der Einkommen gleich. Das ist mit uns nicht zu machen“, sagte Meine.

Trotz der bislang unversöhnlichen Positionen haben beide Seiten den Willen bekräftigt, einen Streik zu vermeiden. „Es kann in niemandes Interesse sein, dass es tatsächlich zum Streik kommt“, sagte auch VW-Konzernchef Bernd Pischetsrieder in Peking. „Auf der anderen Seite muss jetzt einfach der Einstieg in die Kostenreduzierung stattfinden“, betonte er. Dazu seien Nullrunden nötig. Am Donnerstag hatte der Wolfsburger Konzern einen weiteren Ertragseinbruch im dritten Quartal gemeldet. Die Marke VW schreibt sogar Verluste. Gestern wollte sich VW nicht zu den Chancen eines Kompromisses äußern.

Auch bei der Gewerkschaft hieß es, man werde nur dann zum ersten Streik in der Unternehmensgeschichte aufrufen, „wenn nichts mehr geht. Aber davon sind wir weit entfernt“, sagte IG-Metall-Sprecher Jörg Köther. „Rein theoretisch könnten wir zwar ein Scheitern der Verhandlungen und eine Urabstimmung beantragen. Das steht aber absolut nicht zur Debatte“, sagte Köther.

Näher gekommen waren sich beide Seiten bei der vergangenen Gesprächsrunde lediglich beim Modell der „demographischen Arbeitszeit“, mit dem das Problem einer drohenden Überalterung der VW-Belegschaft gelöst werden soll. Bei den Punkten Einkommenssteigerungen, weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten und einem niedrigeren Gehaltsniveau bei Neueinstellungen hatte die Gewerkschaft mit einem Kompromissangebot bereits Verhandlungsspielraum signalisiert. Allerdings unter der Voraussetzung, dass der Konzern bereit ist, die Arbeitsplätze zu sichern. „Die Beschäftigung als solche können nur die Kunden garantieren, indem sie unsere Autos kaufen“, hatte Konzernchef Pischetsrieder gekontert.

Unvereinbar scheinen dagegen die Positionen weiter bei dem von VW-Personalchef Peter Hartz geforderten „Co-Investment“. Das Konzept sieht vor, dass sich Geschäftsführung und Betriebsrat einzelner Standorte bei der Bewerbung um neue Produkte darauf einigen können, vom Tarifvertrag beispielsweise bei der Arbeitszeit abzuweichen.

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