Kein Treffen mit Dobrindt Fiat erweist der ganzen Branche einen Bärendienst

Das Vertrauen in die Automobilindustrie geht weiter verloren, wenn ein Hersteller nicht mit den Aufsichtsbehörden kooperiert. Die Reaktion von Fiat trägt überhaupt nicht zur Lösung der Abgaskrise bei. Ein Kommentar.

Fiat zeigt Dobrindt die lange Nase

Fiat zeigt Dobrindt die lange Nase

Fiat ist das nächste Beispiel dafür, dass die Automobilbranche immer noch nicht verstanden hat, was im Moment passiert. Die deutsche Niederlassung des italienischen Autokonzerns hat am Donnerstag den Termin bei Verkehrsminister Alexander Dobrindt platzen lassen, bei dem mögliche Schummeleien bei Diesel-Fahrzeugen geklärt werden sollten.

Der italienische Konzern zieht sich dabei auf den formalen Standpunkt zurück, dass die Autos für den europäischen Markt in Italien zugelassen worden sind. Mögliche Probleme und Ungereimtheiten, so Fiat weiter, müssten also in Italien und nicht etwa in Deutschland geklärt werden.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.

Fiat geht damit den völlig falschen Weg. In der Abgasaffäre, die längst nicht mehr nur den Volkswagen-Konzern betrifft, spielt Vertrauen eine enorm wichtige Rolle. Wer sich in einer solchen Situation allein auf Formalitäten zurückzieht, verkennt den Ernst der Lage. Würde Fiat jetzt mit den deutschen Behörden zusammenarbeiten, hätte der ohnehin nicht auf Rosen gebettete italienische Konzern beim deutschen Autofahrer Vertrauen zurückgewinnen können.

Jetzt wird alles noch schlimmer. Indem Fiat die Auskunft verweigert und auf die Behörden in der Heimat verweist, wird die Vertrauenskrise noch größer. Bei Fiat liegt nun erst recht der Verdacht nahe, dass das Unternehmen bei den Abgaswerten geschummelt haben könnte. Umweltschützer werfen Fiat vor, dass die Abgasregelung bei Diesel-Motoren nach wenigen Minuten komplett abschaltet – und die dreckigen Abgase ungehindert an die Umwelt abgegeben werden.

So tricksen die Autobauer beim Diesel
Volkswagen
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Seit Monaten tobt der Dieselskandal bei Volkswagen. Der Auslöser: eine Software, die erkennt, ob ein Auto auf dem Prüfstand steht. Um die Abgasprüfer hinters Licht zu führen, erkannten die Fahrzeuge mit 1.2-, 1,6- und 2.0-Liter TDI-Motor beispielsweise ob das Lenkrad bewegt wurde. Mittlerweile müssen etliche Modelle des Konzerns, darunter auch Passat und Golf darum zurück in die Werkstatt.

Volkswagen
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Auch bei den Nachprüfungen des Kraftfahrtbundesamtes sind Modelle der Wolfsburger negativ aufgefallen. Fast 200.000 Fahrzeuge müssen zurück in die Werkstatt, weil eine gesetzliche Ausnahmeregelung wohl zu weit ausgelegt wurde. Bei einer zu hohen oder zu niedrigen Außentemperatur schalten die Fahrzeuge ihre Abgasreinigung ab. Die Hersteller begründen das mit dem Motorenschutz. Der Gesetzgeber sieht das offenbar anders. Betroffen sind der Amarok, aber auch der Lieferwagen Crafter.

Audi
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Und auch die VW-Premiumtochter Audi spielt im Dieselskandal eine größere Rolle als zunächst angenommen. Das illegale Abschaltung der Abgasreinigung, die den Skandal auslöste, soll sogar in Ingolstadt mitentwickelt worden sein. Auch in den jüngsten KBA-Nachprüfungen überschritten einige Audi-Modelle den gesetzlichen Grenzwert für den Stickoxid-Ausstoß. Unter anderem muss der Q5 zurückgerufen werden.

Porsche
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Auch bei Porsche gehörte der Betrug zum Geschäft. Wenige Wochen nach dem Ausbruch des Dieselskandals musste auch der Sportwagenbauer eingestehen, dass seine 3-Liter-Dieselmotoren eine illegale Abschalteinrichtung enthalten. Auch bei den Nachprüfungen des KBA fiel ein Porsche-Modell unangenehm auf: ausgerechnet der kompakte Macan überschreitet die Stickoxid-Grenzwerte bei niedrigen Außentemperaturen.

Mercedes
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Die Sprachregelung bei Daimler wackelt: bisher hatten die Schwaben alle Vorwürfe, man habe beim Diesel betrogen weit von sich gewiesen. Doch bei den Nachprüfungen des KBA fielen A-Klasse, B-Klasse und V-Klasse aus dem Rahmen und müssen nun bei einem Rückruf überarbeitet werden. Alle haben übrigens eins gemeinsam...

Renault
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...Denn die Daimler-Diesel kommen aus einer Kooperation mit dem französischen Autobauer Renault. Der steht ohnehin schon unter Beobachtung der französischen Behörden, die nach dem Ausbruch des Dieselskandals mehrere Razzien bei Renault vornahmen. Der jüngste Bericht des KBA soll darum auch an die französischen Behörden weitergeleitet werden. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen.

Opel
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Auch in Rüsselsheim sind die Dieselmotoren offenbar schmutziger als der Konzern es bisher zugegeben hat. Bei Zafira, Insignia und Cascada sind die Abgase wohl deutlich schmutziger, sobald die Temperatur unter 17 Grad fällt. Den vereinbarten Rückruf nennt man in Rüsselsheim "freiwillige Serviceleistung". Wohl auch um sich vor Schadenersatzforderungen zu schützen. Künftig sollen alle Modelle des Autobauers mit einem Harnstoff-Katalysator ausgerüstet werden.

Fiat hat der gesamten Branche einen Bärendienst erwiesen. So geht es nicht. So wird die Automobilindustrie weiter nach unten gezogen. Deutsche Kunden dürften sich zudem sehr genau überlegen, ob sie noch einen Fiat kaufen werden.

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