Kein Wort zu Fusionsgerüchten
Corus sucht billige Rohstoffe

Der Betriebsgewinn des britisch-niederländischen Stahlherstellers Corus ist im ersten Halbjahr um ein Drittel eingebrochen. Hauptgrund für den Ergebnisrückgang auf rund 640 Mill. Euro waren stark gestiegene Einkaufspreise. Deshalb ist der Konzern nun verstärkt auf der Suche nach billigen Rohstoffquellen.

HB LONDON. Konzernchef Philippe Varin sagte bei Vorlage der Geschäftszahlen am Mittwoch, die Erschließung billiger Rohstoffquellen sei entscheidend für die Zukunft von Corus. Aktuell kursierende Gerüchte über eine Übernahme der Firma wollte er aber nicht kommentieren. Der Thyssen-Krupp-Konkurrent steht unter Druck, da die deutlich gestiegenen Preise für Eisenerz die Herstellungskosten in die Höhe getrieben haben, der Verkaufspreis für Stahl aber gleichzeitig sank.

Varin äußerte sich nicht dazu, ob Kaufinteressenten bereits Gebote für Corus abgegeben hätten. Die Metall- und Stahlbranche sorgt derzeit durch mehrere Großfusionen für Aufsehen: So steht der Branchenprimus Mittal Steel vor dem Zusammenschluss mit dem luxemburgischen Konkurrenten Arcelor. Die Fusion soll 2007 unter Dach und Fach sein. Die Konzerne kündigten an, weiter expandieren zu wollen. Auch in der Aluminiumbranche zeichnet sich in Russland eine Mega-Firmenhochzeit der beiden Konzerne SUAL und RUSAL ab.

Corus will im Rest des Jahres zwar die Stahlverkaufspreise anheben und verspricht sich davon positive Effekte. Dennoch würden hohe Rohstoff- und Energiekosten sowie eine geringere Produktion auch im zweiten Halbjahr die Erträge belasten, erklärte Corus. „Die Kosten für Rohstoffe werden in Zukunft noch weiter steigen“, sagte Varin. Für dieses Jahr erwartet das Unternehmen, 400 Mill. Pfund mehr für Energie und Rohstoffe ausgeben zu müssen. Allein die Kosten für Strom und Erdgas könnten um 140 Mill. Pfund steigen. Mit diesem Ausblick enttäuschte der Konzern die Märkte, der Aktienkurs gab um über zwei Prozent nach. In der vergangenen Woche hatten Fusionsspekulationen den Kurs nach oben getrieben.

Für das erste Halbjahr wies der Stahlkonzern ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von 433 Mill. Pfund (etwa 640 Mill. Euro) aus. Dies war etwas weniger als erwartet. Der Gewinn ging damit im Jahresvergleich um 32 Prozent zurück.

Angesichts der steigenden Rohstoffkosten nimmt weltweit der Konsolidierungsdruck in der Stahlbranche zu. Auch wollen sich viele Produzenten durch Fusionen vor der drohenden Dominanz von Arcelor/Mittal schützen. Bei der Fusion der beiden Unternehmen entsteht der mit Abstand größte Stahlkonzern der Welt.

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