Kein Zuschlag bei Müller-Brot
Heiner Kamps scheitert bei Übernahme

Der ehemalige Großbäcker Heiner Kamps musste eine Schlappe hinnehmen: Die Verhandlungen zur Übernahme dreier Backfilialisten durch seine Holding wurden abbgebrochen. Kamps muss sich nun sogar Kritik an seinem Konzept gefallen lassen.

DÜSSELDORF/LONDON. Der Düsseldorfer Unternehmer Heiner Kamps ist mit seinen Plänen gescheitert, die Firmen Müller-Brot, Ankerbrot und Löwenbäcker in seine Londoner Holding International Food Retail Capital (IFRC) zu integrieren.

Entsprechende Verhandlungen zwischen der IFRC und dem Inhaber der drei Backfilialisten Klaus Ostendorf, einem ehemaligen Top-Manager der Düsseldorfer Kamps AG, wurden eingestellt. Dies berichteten beide Parteien gestern in übereinstimmenden Erklärungen. Nach Angaben von Ostendorf werden die drei Backwarenunternehmen weiter selbstständig am Markt operieren.

Nach einer eingehenden Prüfung der Geschäftsbücher, der so genannten Due-Diligence, war Kamps offenbar nicht bereit, die von Ostendorf geforderte Summe zu zahlen. „Wir konnten uns nicht auf einen fairen Kaufpreis einigen“, beschrieb IFRC-Anteilseigener Kamps gestern gegenüber dem Handelsblatt den Grund für den Abbruch der Gespräche. Die IFRC prüfe aber immer noch weitere Akquisitionen und setze jetzt auch auf die Expansion der Bäckerei „Bastians“, sagte Kamps.

Von „Bastians“, das Kamps als Betätigungsfeld für seinen Sohn Sebastian eröffnet hatte, existiert aber erst ein Geschäft in Düsseldorf. „Wir planen bis 2008 rund 20 Filialen bundesweit“, verspricht Kamps seinen Investoren.

Mit der gescheiterten Übernahme hat Kamps, der 2002 die Düsseldorfer Kamps AG an den italienischen Nudelkonzern Barilla verkauft hatte, die Chance zunächst verpasst, sich zum zweiten Mal als Konsolidierer des europäischen Backgewerbes zu präsentieren. Kern seines Betätigungsfeldes bleibt die Schnellrestaurant-Kette Nordsee, die Kamps als „Mitgift“ in die als Kamps Food Retail Investments (KFRI) gestartete Investmentfirma eingebracht hatte. An der KFRI hatten sich seinerzeit auch der Molkereibesitzer Theo Müller (Müller-Milch) und die Wagniskapitalgesellschaft ACP Capital, mit der Kamps auch heute noch eng zusammenarbeitet, beteiligt.

Dass dieses Investment ein Wagnis sein kann, spürten gestern zunächst die Anteilseigner der IFRC. Die erst kürzlich am Londoner Börsengsegment AIM platzierten Papiere verloren nach Bekanntgabe der gescheiterten Übernahme rund neun Prozent an Wert. Der Kurs fiel abrupt von 101,5 auf 91,5 Eurocent.

„Die gescheiterte Übernahme lässt Zweifel an Kamps’ Geschäftsmodell aufkommen“, bewerteten die Marktexperten der Corporate-Finance-Abteilung der WGZ Bank in Düsseldorf das Ereignis. Zumal Großbäcker gleicher Größenordnung derzeit kaum zum Kauf angeboten würden.

Kamps ficht die schlechte Nachricht unterdes nicht an. Von einer Enttäuschung unter den Anlegern könne keine Rede sein, sagte er als Replik auf diese Vorwürfe. „Ich bin selbst größter Einzelaktionär der IFRC und wie die übrigen Aktionäre an einem sinnvollen Einsatz der zur Verfügung stehenden Gelder interessiert“, betonte der Unternehmer.

Auch die Partner von ACP Capital stehen weiter fest zu ihrem Investment. Sie gaben am Montag bereits bekannt, dass sie weitere 150 Mill. Pfund über eine Platzierung neuer Aktien an der AIM einnehmen wollen. Sie zeigen sich optimistisch, dass die IFRC interessante Akquisitionsmöglichkeiten auftun wird, an denen sie dann als Aktionär partizipieren könnten. ACP ist mit 17 Prozent an der IFRC beteiligt.

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