Keine Abspaltung
RWE und EnBW halten an Netz fest

Mit einer „unabhängigen und kapitalmarktfähigen Netzgesellschaft“ will die Regierung neuen Anbietern den Zugang erleichtern. Doch die etablierten Anbieter RWE und EnBW wehren sich gegen die Energiepolitik der neuen Koalition. Die Versorger lehnen die geforderte Abspaltung ab und fordern eine unbegrenzte Laufzeit für Atommeiler.
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DÜSSELDORF/FRANKFURT. RWE und Energie Baden-Württemberg (EnBW) stemmen sich gegen die von der neuen Bundesregierung geforderte Abspaltung der Stromübertragungsleitungen in eine Deutsche Netz AG. „Das Hochspannungsnetz ist Teil unseres Geschäftsmodells und soll es auch bleiben“, sagte Vorstandschef Jürgen Großmann vor Journalisten in Frankfurt. Eine EnBW-Sprecherin äußerte sich gestern ähnlich: „Wir wollen unser Netz behalten – daran hat sich auch durch die Koalitionsvereinbarung nichts geändert.“

Union und FDP haben sich im Koalitionsvertrag für die Schaffung einer „unabhängigen und kapitalmarktfähigen Netzgesellschaft“ ausgesprochen, in der die Übertragungsnetze, die großen Überlandleitungen, zusammengeführt werden sollen. Diese sind im Besitz von RWE, Eon, Vattenfall und EnBW. Die Koalitionäre wollen damit den Wettbewerb auf dem deutschen Energiemarkt ankurbeln, weil neue Anbieter einen leichteren Zugang zu den Netzen erhalten sollen.

Dem Plan werden in der Branche aber faktisch keine Erfolgschancen eingeräumt. RWE und EnBW hatten sich schon in der Vergangenheit strikt gegen eine Trennung von ihren Übertragungsnetzen gewehrt. Und an dieser Position hat sich nichts geändert.

RWE-Chef Großmann betonte, dass sein Konzern weiter mit den Stromleitungen plane. RWE halte sein Netz auf dem neusten Stand. „Wir haben keinen Investitionsstau in unseren Hochspannungsnetzen“, sagte er. Es stünden aber auch keine Investitionen für den Anschluss von Offshore-Windparks an, da das RWE-Netz nicht an der Küste liege.

Das selbe gilt für EnBW. Deshalb ist für die beiden Unternehmen der Netzbetrieb auch lukrativer als für Eon und Vattenfall. Deren Netzgebiete grenzen an Nord- und Ostseeküste und sie sind gesetzlich verpflichtet, den auf hoher See produzierten Windstrom in ihr Netz einzuspeisen und die zahlreichen geplanten Offshore-Anlagen anzubinden. Dafür sind hohe Investitionen fällig.

Sowohl Eon als auch Vattenfall haben sich für eine Trennung von ihren Netzen entschlossen und die Verkaufsprozesse laufen auf Hochtouren. Ob die neuen Eigentümer für die Pläne einer Netz AG aufgeschlossen sein werden, bleibt abzuwarten.

Grundsätzlich äußerte sich Großmann aber zufrieden über die im Koalitionsvertrag skizzierte Energiepolitik der schwarz-gelben Koalition. „Ich freue mich, dass es keine Scheuklappen gibt“, sagte er mit Blick auf die in Aussicht gestellte Verlängerung der Restlaufzeiten der deutschen Atomkraftwerke.

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