Keine Annäherung: IG Metall macht sich für Verkauf von AEG-Werk stark

Keine Annäherung
IG Metall macht sich für Verkauf von AEG-Werk stark

Ohne Annäherung sind die Gespräche über das von der Belegschaft bestreikte AEG-Werk Nürnberg am Samstagnachmittag zunächst unterbrochen worden. Die IG Metall präsentierte einen umfangreichen Fragenkatalog mit fast 50 Fragen zum Angebot des schwedischen AEG-Mutterkonzern Electrolux an die Beschäftigten des von Schließung bedrohten Werks.

HB NÜRNBERG. „Electrolux will das Werk nicht mehr, obwohl es Gewinne macht. Also sollen sie es an einen Investor abtreten“, sagte Streikleiter Jürgen Wechsler. Er sei sicher, dass sich ein Interessent für den Standort finde, sagte der Gewerkschafter am Samstag am Rande der Verhandlungen zwischen IG Metall und Electrolux in einem Nürnberger Hotel.

Nachdem die Gewerkschaft einen Katalog mit 46 Fragen zu dem am Donnerstag vom Unternehmen vorgelegten „Nürnberger Modell“ veröffentlicht hatte, trennten sich die Verhandlungsparteien nach nur zweieinhalb Stunden wieder. Der Geschäftsführer der AEG Hausgeräte GmbH, Dieter Lange, wies im Anschluss die Idee eines Management-Buy-Out zurück: „Die Marke wird nicht verkauft. Und für das Werk gibt es keinen seriösen Investor.“ Man habe alle Angebote bereits geprüft.

Lange appellierte an die Gewerkschaft, den seit 20. Januar andauernden Streik im Nürnberger Werk zu beenden. Der Schließungsbeschluss zum 31. Dezember 2007 sei unumkehrbar. Allerdings wandere durch den Arbeitskampf täglich Volumen in andere europäische Werke des Electrolux-Konzerns ab. „Ob wir diese Modelle jemals nach Nürnberg zurückbekommen, ist zweifelhaft“, sagte er. Der Schließungsprozess werde dadurch beschleunigt.

Lange bezeichnete es allerdings als positiv, zumindest die Fragen der anderen Seite zu kennen. Darin geht es um Altersteilzeitregelungen und um Ersatzarbeitsplätze in Nürnberg. Im Moment seien bereits 30 qualifizierte Stellen geschaffen worden. Man arbeite an weiteren Jobs. Detail-Fragen zur Ausgestaltung des Electrolux-Angebots konnten am Samstag nicht geklärt werden. Beide Parteien wollen sich am Mittwoch erneut treffen.

Electrolux hatte zuletzt vorgeschlagen, die von der Schließung der Hausgeräte-Fertigung betroffenen Mitarbeiter mit 0,7 Monatsgehältern pro Beschäftigungsjahr abzufinden und sie für ein Jahr in eine Beschäftigungsgesellschaft bei vollem Lohn zu übernehmen. Bayerns IG-Metall-Bezirksleiter Werner Neugebauer kritisierte das als einen Vorschlag „aus der Welt von Lilliput“. Die Vorstellungen der Gewerkschaft übertreffen das von Electrolux angebotene Abfindungspaket im Umfang von 100 Millionen Euro um das Vierfache.

AEG-Manager Lange signalisierte am Samstag Bereitschaft, der Gewerkschaft entgegenzukommen. „Beide Seiten müssen sich noch bewegen, aber wir haben jetzt eine Basis, wo wir beginnen“, sagte er. Neugebauer reagierte empört auf die Aussage: „Offenbar haben die Verhandlungspartner auf Arbeitgeberseite sehr viel Zeit. Wir sind keinen Millimeter vorangekommen.“ Er habe das Gefühl, mit einem Phantom zu verhandeln, weil die eigentlichen Entscheidungen über den Sozialtarifvertrag in Stockholm getroffen würden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%