Keine Auslieferung in VW-Korruptionsaffäre
Haftbefehl gegen Ex-Skoda-Manager

Ein indisches Gericht hat Haftbefehl gegen den ehemaligen Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster erlassen. Mit einer Verhaftung muss der frühere Volkswagen-Manager trotzdem nicht rechnen.

HB BRAUNSCHWEIG/NEU DELHI. Das Grundgesetz verbiete die Auslieferung eines Deutschen ins Ausland, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig Joachim Geyer am Mittwoch. Einen deutschen Haftbefehl werde es nicht geben, da die Braunschweiger Staatsanwälte keine Fluchtgefahr sehen. Schuster hält sich nach Angaben seines Anwalts in Deutschland auf.

Ein Gericht im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh hat Haftbefehl gegen Schuster erlassen, wie ein Sprecher von Indiens Bundespolizei CBI (Central Bureau of Investigation) mitteilte. Könne der ehemalige Personalchef der VW-Tochter Skoda nicht in nächster Zeit festgenommen werden, werde sein Besitz beschlagnahmt und Unterstützung bei Interpol angefordert.

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt gegen Schuster wegen des Verdachts auf Betrug und Untreue. Gemeinsam mit dem früheren VW- Personalmanager Klaus-Joachim Gebauer soll er VW-Gelder mit Hilfe eines Geflechts von mindestens zehn Tarnfirmen in acht Ländern auf eigene Konten umgeleitet haben.

In Indien soll Schuster unbefugt für den Bau einer Fabrik als VW- Unterhändler aufgetreten sein und den Bundesstaat getäuscht haben. Die Regierung von Andhra Pradesch hatte knapp zwei Mill. € an eine Tarnfirma Schusters überwiesen, in dem Glauben, an VW zu zahlen. Etwa die Hälfte des Geldes soll inzwischen bei einem von Schusters indischen Mitarbeitern gefunden worden sein. Das Angebot von VW, die zwei Mill. € zurückzuzahlen, hatte der Bundesstaat kürzlich abgelehnt.

Die Braunschweiger Staatsanwälte erwarten, dass Schuster sich einem möglichen Gerichtsverfahren in Deutschland stellen wird. Indiz dafür sei, dass der Ex-Manager freiwillig von einer Indienreise zurückgekehrt sei, als in Deutschland schon gegen ihn ermittelt wurde, sagte Sprecher Geyer.

Der Anwalt Schusters, Ferdinand Gillmeister, sagte der dpa: „Es gibt überhaupt keine Anhaltspunkte dafür, dass Herr Schuster sich dem Verfahren entziehen will.“ Sein Mandant werde mit den Behörden zusammenarbeiten. Zu den Vorwürfen gegen Schuster wollte Gillmeister nichts sagen. Er habe weder Akten der Staatsanwaltschaft noch die Unterlagen von VW einsehen können. „VW erhebt Vorwürfe und die Beteiligten haben keine Chance sich dagegen zu wehren“, sagte der Anwalt.

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