Keine Einigung gefunden
Tarifverhandlungen in Papierindustrie gescheitert

In der Nacht zum Mittwoch sind in Berlin die Tarifverhandlungen in der Papier verarbeitenden Industrie gescheitert. Damit ist nach monatelangem Ringen weiterhin keine Einigung für die 95 000 Beschäftigten in Sicht.

HB BERLIN. Arbeitgeber und die Gewerkschaft Verdi trennten sich am frühen Mittwochmorgen in Berlin auch nach der zehnten Gesprächsrunde, ohne einen Durchbruch zu erzielen. Verdi erklärte die bundesweiten Verhandlungen über den Manteltarifvertrag für gescheitert. Sie sollen nun auf regionaler Ebene fortgesetzt werden. Dabei drohen nach dem Votum einer Urabstimmung Streiks. Über höhere Entgelte soll am 15. Juli erneut bundesweit gesprochen werden.

Zentraler Streitpunkt sind weiterhin Forderungen der Arbeitgeber nach Öffnungsklauseln für längere Arbeitszeiten. Verdi wirft ihnen vor, den Flächentarifvertrag in Frage zu stellen. Forderungen nach betrieblichen Vereinbarungen für eine Verlängerung um bis zu fünf auf 40 Wochenstunden würden zu einer Erpressung der Beschäftigten führen, sagte eine Verdi-Sprecherin. Der Hauptverband Papierverarbeitende Industrie beharrt dagegen auf mehr Flexibilität für die Unternehmen, wie ein Sprecher sagte. Bereits am Dienstag war es in mehreren Bundesländern zu Streikaktionen gekommen.

In der Frage höherer Entgelte fordert Verdi 3,7 % mehr Geld. Die Gewerkschaft lehnte ein Angebot der Arbeitgeber ab, die entsprechend dem Tarifabschluss der Druckindustrie eine Einmalzahlung von 240 € für zwölf Monate und eine weitere Anhebung um ein Prozent vorgeschlagen hatten.

Ein Sprecher der Hauptverbands Papier- und Kunststoffverarbeitung (HPV) bedauerte das Scheitern der Tarifgespräche. Eine Verdi-Sprecherin machte die starre Haltung der Arbeitgeber verantwortlich für das von der Gewerkschaft erklärte Scheitern der Verhandlungen. Verdi habe weitreichende Angebote vorgelegt, etwa für ein Gesamtpaket im Zusammenhang mit einer Anhebung der Löhne und Gehälter. Bei der von den Arbeitgebern angestrebten Regelung über Arbeitszeitverlängerungen habe es jedoch keine Beschäftigungsgarantie gegeben. Die angebotene Einkommensverbesserung von 1 % sei völlig unzureichend.

HPV-Sprecher Werner Fricke sagte, die Betriebe in der Papierverarbeitung stünden unter einem erheblichen Kostendruck. Betriebliche Öffnungsklauseln in den Tarifverträgen seien daher unerlässlich. Details der Verhandlungen und das weitere Vorgehen in diesem Tarifkonflikt will der HPV an diesem Mittwochvormittag auf einer Pressekonferenz in Berlin erläutern.

Bei einer Urabstimmung hatten sich am Freitag die Verdi-Mitglieder mit großer Mehrheit für einen Streik ausgesprochen. Bereits in den vergangenen Wochen beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben rund 12 000 Arbeitnehmer aus etwa 110 Betrieben an Warnstreiks.

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