Keine Finanzierungsprobleme
Heidelcement steckt US-Krise weg

Für Übernahmen wird Geld benötigt – Geld, das sich im Hinblick auf die Entwicklung der Finanzmärkte nicht mehr so einfach beschaffen lässt. Heidelberg Cement hat diese Probleme offenbar nicht: Das Unternehmen nimmt den britischen Konkurrenten Hanson ins Visier und hat dabei gute Chancen.

mwb STUTTGART. Heidelberg Cement bastelt an der Finanzierung der zwölf Mrd. Euro teuren Übernahme des britischen Konkurrenten Hanson. Die Trockenmörtel-Tochter Maxit soll einen Teil dazu beitragen. „Unsere Tendenz geht in Richtung Verkauf“, sagte Bernd Scheifele, Vorstandschef von Deutschlands größtem Baustoffhersteller, in einer Telefonkonferenz anlässlich der Quartalszahlen. Noch in diesem Jahr soll eine Entscheidung fallen. Analystin Karin Brinkmann von Unicredit bewertet Maxit mit 1,3 Mrd. Euro. Andere Branchenkenner halten sogar einen Erlös von bis zu zwei Mrd. Euro für möglich.

Zu potenziellen Interessenten machte Scheifele keine Angaben. Unter anderem sollen nach früheren Berichten Finanzinvestoren wie PAI, Texas Pacific Group (TPG) und Cinven sowie der französische Konzern St. Gobain dazugehören. Bereits der Verkauf der Minderheitsbeteiligung am französischen Konkurrenten Vicat hat dem mehrheitlich der Familie des Unternehmers Adolf Merckle gehörenden Heidelberger Konzern 1,4 Mrd. Euro in die Kassen gespült – was unter anderem dazu führte, dass sich der Überschuss im ersten Halbjahr auf 1,2 Mrd. Euro mehr als verdreifachte.

Zudem hat sich das Unternehmen mehrere Kredittranchen bei den Banken gesichert, die erste davon für zwei Jahre über acht Mrd. Euro. „Unser Timing war nicht schlecht“, sagte Scheifele mit Blick auf die schwieriger gewordenen Kreditmärkte. Heute würde der Konzern diese Konditionen bei den Banken nicht mehr bekommen. Schwierigkeiten wie bei Daimler-Chrysler, die am vergangenen Freitag beim Verkauf von Chrysler an Cerberus zusätzlich eine Kreditlinie von 1,5 Mrd. Euro gewähren mussten, erwartet Scheifele nicht. „Unsere Finanzierung steht“, sagte der Vorstandschef. Hauptaktionär Merckle hatte bereits eine Kapitalerhöhung von 530 Mill. Euro gewährt. Im September werde entschieden, wie die Finanzierung endgültig aussieht. Eine Hybridanleihe von bis zu zwei Mrd. Euro , die zu 50 Prozent als Eigenkapital zählt, oder eine Kapitalerhöhung durch Merckle seien möglich. „Wir sind sehr flexibel und nicht unter Zeitdruck bei der Refinanzierung“, sagte Scheifele.

Mit der im Mai angekündigten Übernahme, der Ende Juli auch die Hauptversammlung von Hanson zustimmte, schließt Heidelberg zu den Weltmarktführern Lafarge, Cemex und Holcim auf. Die Branche befindet sich in einer Konsolidierungswelle. Die mexikanische Cemex hat Anfang Juli den Kauf des australischen Konkurrenten Rinker für 14 Mrd. Dollar abgeschlossen. Holcim und Lafarge kauften kleinere Unternehmen.

Im operativen Geschäft bekräftigte Scheifele die bisherigen Prognosen von zweistelligem Wachstum bei Umsatz und Ertrag. „Wir sind gut Unterwegs“, sagte er. Das schwächere Geschäft in den USA und in Europa konnte der weltweit viertgrößte Zementhersteller durch den Bauboom Osteuropa und Asien kompensieren. In den USA sei der Absatz von April bis Juni in Folge der Immobilienkrise um zwei Prozent gesunken. Mit Hanson wird der Anteil des US-Geschäfts von 30 auf 40 Prozent steigen. Der Vorstandschef sieht dies aber nicht als bedenklich an, zumal sich der US-Markt regional sehr unterschiedlich entwickele.

Gebremst von einem verhalteneren Wachstum im zweiten Quartal legte der Umsatz in der ersten Jahreshälfte 2007 um 12,5 Prozent auf 4,8 Mill. Euro zu. Erlöszuwächse durch die Einbeziehung weiterer Zementwerke etwa in Indien in die Bilanz wurden von den negativen Wechselkurseffekten durch den starken Euro aufgefressen. Im traditionell schwachen Winterquartal hatte der Umsatz weltweit noch um 18 Prozent zugelegt.

Auch das operative Ergebnis wuchs im Frühjahrsquartal langsamer als zu Jahresbeginn. Das Betriebsergebnis stieg um 12,5 Prozent auf 561 Mill. Euro und lag damit leicht unter den Erwartungen der Analysten. An der Börse brach der Kurs zunächst um drei Prozent ein, erholte sich dann aber wieder auf ein leichtes Minus bei 107 Euro.

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