Keine Hilfe für Thyssen-Krupp
Kraft gibt der RAG-Stiftung einen Korb

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist gegen eine Beteiligung der RAG-Stiftung am angeschlagenen Konzern Thyssen-Krupp. Derweil gerät der Verkauf verlustreicher Stahlwerke angeblich ins Stocken.
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DüsseldorfDer geplante Einstieg der RAG-Stiftung bei dem Industriekonzern Thyssen-Krupp stößt bei der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen auf Ablehnung. Schon als Werner Müller, Chef der RAG-Stiftung, im Frühjahr bei Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei einem informellen Treffen nachfragte, wie sie zu einer solchen Transaktion stehen würde, erhielt er eine Abfuhr, wie das Handelsblatt (Dienstagausgabe) aus Kreisen der Landesregierung erfuhr. Kraft habe Müller deutlich gemacht, dass sie keinen Nutzen in einem solchen Schritt sähe. Die SPD-Politikerin wolle zudem nicht, dass Müller seine Macht im Ruhrgebiet ausbaut.

Kraft hat bei dem Deal ein gewichtiges Wort mitzureden, nicht nur, weil sie im Kuratorium der RAG-Stiftung sitzt. Thyssen-Krupp ist einer der größten Arbeitgeber in Nordrhein-Westfalen und daher traditionell Chefsache für NRW-Ministerpräsidenten. Auch bei der Krupp-Stiftung, mit 25,3 Prozent der größte Einzelaktionär des Ruhrkonzerns, hat Kraft einen Sitz im Kuratorium.

In einem Fernsehinterview rief Kraft (SPD) zudem zu Gelassenheit auf. Sie halte „das alles für Schwarzmalerei“, sagte Kraft am Montag in der n-tv-Sendung „Heiner Bremer - Unter den Linden 1“. „Es sind Fehlinvestitionen gelaufen in dem Unternehmen, es gab kartellrechtliche Problemsituationen, aber alles in allem ist das ein guter, ein gesunder Konzern“, betonte Kraft. „Und wir haben ein hohes Interesse daran, dass dieser Konzern auch so bestehen bleibt.“

Auf die Frage, ob Kraft in jedem Fall versuchen würde, eine Zerschlagung des Mischkonzerns zu verhindern, sagte sie: „Ich muss nur auf die Zahl der Arbeitsplätze schauen. Dass Thyssen-Krupp für Nordrhein-Westfalen, aber auch für die Bundesrepublik Deutschland, ein wichtiger Konzern ist, darüber sind wir uns einig, und dass es Sinn macht, diese Arbeitsplätze auch in Deutschland zu erhalten.“

Doch die Lage bei dem angeschlagenen Konzern könnte immer brisanter werden. Der Rückzug von Thyssen-Krupp aus Brasilien droht einem Medienbericht zufolge zu misslingen. Das „Wall Street Journal Deutschland“ berichtete am Montag unter Berufung auf Insider, dass der Konzern auf dem Mehrheitsanteil an seinem Stahlwerk in dem südamerikanischen Land sitzenbleiben könnte.

Der deutsche Stahlkonzern und der brasilianische Konkurrent CSN hätten zwar ihre zwischenzeitlich in Gefahr geratenen Verhandlungen über das Thyssen-Geschäft in Amerika wieder intensiviert. Nun sei aber auch eine Variante im Gespräch, nach der CSN nur das Thyssen-Krupp-Werk im US-Staat Alabama übernehmen würde. Thyssen-Krupp sucht seit Monaten nach Käufern für seine verlustreichen Werke in den USA und Brasilien. Von mehreren Interessenten war CSN der einzige, der die beiden Fabriken im Paket übernehmen wollte.

Das Alternativszenario sieht dem Bericht zufolge vor, dass CSN rund 1,5 Milliarden Dollar für die US-Produktionsstätte zahlen und sich zugleich verpflichten würde, jährlich mehrere Millionen Tonnen Stahlbrammen aus dem brasilianischen Werk abzunehmen. CSN wollte den Bericht nicht kommentieren.

Der Konzern sei weiter in fortgeschrittenen Verhandlungen mit einem führenden Bieter, erklärte hingegen ein Thyssen-Krupp-Sprecher. Darüber hinaus gebe es auch Gespräche mit weiteren Interessenten. Der Konzern peile weiterhin einen zeitnahen Abschluss an.
Aus Kreisen war zuletzt verlautet, dass bei dem angeschlagenen Mischkonzern die Vorbereitungen für eine Kapitalerhöhung liefen. An diesem Dienstagabend legt Thyssen-Krupp seine Quartalszahlen vor.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
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Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Keine Hilfe für Thyssen-Krupp: Kraft gibt der RAG-Stiftung einen Korb"

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  • Mal wieder typisch die Kommentare hier.
    Wir, und hier spreche ich sicher auch für die meisten ThyssenKruppianer, sind auf dem richtigen Weg.

    Vielleicht sollten die Miesmacher sich einmal intensiv mit unserem Konzern auseinander setzen, um zu verstehen, was hier geleistet wird.

    Ich wünsche denen, die sich hier negativ geäußert haben, das Sie noch nie im Leben eine Fehlentscheidung getroffen haben. Wisse doch, "wer im Glaushaus sitzt.........

  • Im Vergleich zu einem Rot-Grün regierten NRW ist es in der Tat ein "guter, Gesunder Konzern".

  • in 5 Jahren ist der Kurs von TK um 50 Prozent gefallen. Der Dax ist in der Zeit um 26 Prozent gestiegen.

    So rechnen nur Sozialdemokraten, kann man da bloß sagen und weiß was man von der Bildungspolitik in NRW zu halten hat.

    Hoffentlich weiß Frau Kraft in welchem Bundesland sie regiert.

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