Keine schnelle Vergabe
Siemens und ABB rechnen mit Aufträgen nach Blackout

Nach dem größten Stromausfall in der US-Geschichte hoffen die Technologiekonzerne Siemens und ABB auf Großaufträge bei der Modernisierung der Stromnetze.

Reuters BOSTON/MÜNCHEN. Mit einer schnellen Vergabe von Aufträgen rechnet bei Siemens in München derzeit aber niemand. „Man darf das jetzt nicht überbewerten. Dass die USA ein Markt sind, ist seit längerem bekannt“, sagte ein Konzernsprecher am Dienstag auf Anfrage. „Aus dem jetzigen 'Black-Out' werden sich sicher nicht unmittelbar für morgen größere Aufträge ergeben.“ Zudem sei das bekannte Potenzial des US-Marktes bereits in interne Marktprognosen einkalkuliert.

ABB sei in den USA bereits heute die Nummer eins im Geschäft der Energieübertragung- und verteilung, sagte ein Konzernsprecher. „Aus dieser Marktposition heraus haben wir gute Chancen, in den nächsten Monaten eine Menge Aufträge zu bekommen“, fügte der Sprecher hinzu. Noch sei es aber zu früh, etwas Konkretes zu sagen.

Das US-Stromversorgungsnetz gilt als extrem störanfällig und modernisierungsbedürftig, da über Jahre hinweg nur unzureichend investiert wurde.

Goldman Sachs: Aufträge frühestens Ende 2004

Auch die Investmentbank Goldman Sachs räumt Siemens und ABB große Auftragschancen ein. Mit konkreten Orders könne aber frühestens Ende 2004 gerechnet werden. Zunächst müsse die US-Administration den rechtlichen Rahmen für eine Modernisierung schaffen, sagte der Siemens-Sprecher. Danach könne dann auch die Investitionsbereitschaft der Energieversorgungsunternehmen steigen. „Und dann werden wir uns - so wie auch schon in der Vergangenheit - an den Ausschreibungen beteiligen“, resümierte er. In der Branche wird darauf verwiesen, dass der US-Kongress frühestens in diesem Herbst ein neues Energiegesetz verabschieden dürfte.

Der US-Energieminister Spencer Abraham hatte das nötige Investitionsvolumen in die Infrastruktur der amerikanischen Stromnetze auf rund 50 Milliarden Dollar beziffert. Kurt Yaeger, Präsident des in Kalifornien ansässigen Strom-Forschungsinstituts PRI, schätzt die notwendigen Investitionen in den nächsten Jahren sogar auf bis zu 100 Milliarden Dollar.

Nach einer Musterrechnung der HVB wird Siemens durch eine Modernisierung der US-Stromnetze mit Aufträgen von maximal rund drei Milliarden Euro rechnen können. Dieser auf einem Marktanteil von weltweit zehn Prozent basierende Betrag dürfte sich nach HVB-Analyst Roland Pitz über zehn Jahre strecken, wobei die jährlichen 300 Millionen Euro Umsatzplus einen Zuwachs zum Gewinn vor Steuern und Zinsen von rund 15 bis 17 Millionen Euro bringen dürften. „Einen Ergebnisschub bringt das für Siemens nicht“, sagte Pitz. Von der gesamten Investitionssumme dürfte ohnehin zunächst einmal mindestens die Hälfte für Netz fremde Arbeiten wie Erdarbeiten, Masten und Kabel abzuziehen sein.

Den Weltmarkt für so genannte Übertragungs- und Verteilungs-Dienstleistungen dominieren die drei europäischen Konzerne Siemens, ABB und die französische Alstom. Die amerikanische General Electric betreibe dieses Geschäft nur als Zusatzgeschäft, sagte Pitz. Die Großen kämen zusammen aber nur auf einen Marktanteil von rund 50 Prozent. In Deutschland gebe es neben Siemens keinen weiteren Anbieter dieser kompletten T&D-Leistungen (Transmission and Distribution).

US-Präsident George W. Bush hatte den Stromausfall, von dem am Donnerstag rund 50 Millionen Menschen in den USA und Kanada betroffen waren, als Weckruf bezeichnet und eine Modernisierung des US-Stromnetzes gefordert. Nach der Sommerpause will sich der für Energie zuständige Ausschuss des Repräsentantenhauses mit dem Vorfall beschäftigen.

Die Siemens-Aktie notierte am Dienstagnachmittag in einem freundlichen Marktumfeld um 2,31 Prozent auf knapp 55 Euro höher. Die ABB-Anteilsscheine stiegen sogar um gut 6,7 Prozent auf 7,64 Franken.

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