Keine Übernahme
Xstrata verwirft Fusion mit Anglo American

Der Bergbaukonzern Xstrata hat seine Pläne aufgegeben, den widerwilligen Konkurrenten Anglo American zu übernehmen. Das schweizerisch-britische Unternehmen will keine feindliche Übernahme starten und auch keinen Aufschlag auf seine bisherige Offerte zahlen. Stattdessen werden in der Führungsetage andere Optionen ausgelotet.

LONDON. „Wir glauben weiterhin, dass eine Fusion mit Anglo American strategisch sinnvoll ist“, teilte Xstrata am Donnerstag mit, aber man werde derzeit keine feindliche Offerte abgeben.

Der Rückzug zeichnete sich bereits in den vergangenen Wochen ab. Xstrata habe offenbar Schwierigkeiten, den von Anglo-Aktionären geforderten Aufschlag zu zahlen, vermuten Marktexperten. Xstrata hat 13 Mrd. Dollar Schulden und kämpft mit sinkenden Erträgen. Im ersten Halbjahr brach der Nettogewinn um 77 Prozent auf 643 Mio. Dollar ein, der Umsatz ging um 39 Prozent auf 9,9 Mrd. Dollar zurück.

Vor vier Monaten hatte das Unternehmen dem afrikanisch-britischen Wettbewerber Anglo American eine Fusion unter Gleichen im Wert von 22 Mrd. Pfund (umgerechnet knapp 26 Mrd. Euro) vorgeschlagen. Xstrata-Chef Mick Davis wollte mit diesem Schritt den Abstand zu BHP Billiton, dem weltweit größten Bergbaukonzern, verkleinern. Er versprach zudem, die Kosten des fusionierten Unternehmens um eine Mrd. Dollar jährlich zu senken.

In der Branche steigt der Konsolidierungsdruck. Denn im Zuge der Wirtschaftskrise hat sich das Wachstum verlangsamt und die Rohstoffpreise sind deutlich gesunken. Durch die Fusion von Xstrata und Anglo American wäre der weltgrößte Produzent von Zink und Platin entstanden sowie der zweitgrößte Anbieter von Kohle für die Stahlproduktion und Kupfer.



Doch Anglo-American-Vorstandschefin Cynthia Carroll lehnte die Offerte des Rivalen als „viel zu niedrig“ ab und forderte einen kräftigen Aufschlag. Nach Informationen aus Finanzkreisen hat sie sich dafür sowohl die Rückendeckung einflussreicher Aktionäre gesichert als auch die Unterstützung von John Parker, dem neuen Chairman des Konzerns. Die Aktienkurse beider Unternehmen gaben am Donnerstag nach: Anglo sank im Tagesverlauf um fast sechs Prozent auf 2178 Pence, Xstrata fiel um drei Prozent auf 999 Pence.

Anglo American müsse nun zeigen, dass eine Zukunft als eigenständiges Unternehmen die bessere Alternative sei, forderten Marktbeobachter. Der Konzern müsse die Veränderungen umsetzen, die Chairman Parker angekündigt habe, sagte Michael Rawlinson, Analyst bei Liberum Capital, der Nachrichtenagentur Reuters. Anglo hat ein Restrukturierungsprogramm vorgelegt, wonach bis 2011 die Kosten um zwei Mrd. Dollar pro Jahr sinken sollen.

Xstrata-Chef Mick Davis kündigte am Donnerstag an, der Konzern lote nun andere Optionen aus: „Wir sehen uns eine Reihe alternativer Wachstumsmöglichkeiten an.“ Gleichzeitig betonte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Bloomberg, er sei in den nächsten sechs Monaten bereit, das Thema Anglo erneut anzugehen, sollte sich die Gelegenheit ergeben. Davis ist in den vergangenen Monaten auch schon mit dem Kauf des Platinförderunternehmens Lonmin gescheitert. Xstrata hatte vor mehr als einem Jahr eine Offerte für Lonmin abgegeben, diese aber im Oktober 2008 wegen der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise verworfen.

„Der Druck zur Konsolidierung besteht in der Branche weiterhin“, sagte Manoj Ladwa vom Brokerhaus ETX Capital, „wenn Xstrata sich jetzt nach neuen Übernahmemöglichkeiten umsieht, käme Lonmin durchaus wieder in Frage.“ Nach Vorgaben der britischen Behörden darf Xstrata innerhalb von zwölf Monaten kein Angebot für den Platinhersteller abgeben, das niedriger als das ursprüngliche ist. Offiziell wollten sich die Unternehmen am Donnerstag zu dem Thema nicht äußern.

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