Keinen Ausblick gegeben
Heidelberger Druck mit mehr Verlust als erwartet

Nach einem Umsatzeinbruch in seinem Kerngeschäft mit Bogendruckmaschinen ist der weltgrößte Druckmaschinenhersteller Heidelberger Druck im ersten Quartal 2003/2004 weit tiefer in die roten Zahlen gerutscht als von Analysten erwartet.

Reuters HEIDELBERG. Der betriebliche Verlust habe in den drei Monaten bis Ende Juni bei 59 Mill. € gelegen, teilte Heidelberger Druck am Donnerstag mit. 19 von Reuters befragte Analysten hatten nur mit Verlusten zwischen sechs und 50 Mill. € gerechnet. Ein Jahr zuvor hatte Heidelberger Druck operativ noch 21 Mill. € verdient. Nach Steuern verbuchte der Konzern von April bis Juni sogar 77 (Vorjahr: plus zwölf) Mill. € Verlust. Der Umsatz lag im ersten Geschäftsquartal mit 718 Mill. € um 23 % unter dem Vorjahresniveau, der Auftragseingang brach um 32 % auf 760 Mill. € ein. Die zu Handelsbeginn stark unter Druck geratene Aktie notierte am Vormittag bei gut 23 € nur noch ein Prozent im Minus.

„Das wirtschaftliche Umfeld lässt eine konkrete Umsatz- und Ergebnisprognose (...) derzeit nicht zu“, erklärte Vorstandschef Bernhard Schreier. Zuletzt hatte der Konzern erklärt, bei einem erneuten Umsatzrückgang um bis zu zehn Prozent 2003/04 zumindest operativ noch mit schwarzen Zahlen abschließen zu können. Unter dem Strich sei aber ein erneuter Verlust wahrscheinlich, hatte Schreier gesagt. Wenn sich im Herbst ein noch stärkerer Einbruch abzeichnet, will er eine neue Restrukturierungsrunde einläuten.

Heidelberger Druck spürt seit etwa einem Jahr - wie auch die beiden Konkurrenten MAN Roland und Koenig & Bauer (KBA) - massiv die Krise in der Medien- und Werbebranche. Der Konzern hat bereits 2300 von mehr als 25 000 Stellen gestrichen, weitere 900 Jobs sollen bis Frühjahr 2004 noch wegfallen, an mehreren Standorten fährt Heidelberger Druck Kurzarbeit. Finanzvorstand Herbert Meyer sagte laut Analysten, Heidelberg werde für den Konzernumbau auch 2003/04 nochmals 20 Mill. € Rückstellungen verbuchen. Eigentlich wollte der Konzern die bisher 140 Mill. € teure Sanierung bilanziell bereits 2002/03 voll verdaut haben. Der Auftragsbestand lag Ende Juni mit 1,02 Mrd. € um 19 % unter Vorjahr.

Im ersten Quartal schrieben alle vier Geschäftsfelder rote Zahlen, erstmals auch der Bereich Sheetfed (Bogendruck), der die ersten drei Monate einen Verlust von 18 (Vorjahreszeitraum: plus 74) Mill. € verbuchte. Druckereien in den USA und Europa hielten sich mit Investitionen weiterhin stark zurück, erklärte Schreier den Einbruch. Der Umsatz mit Bogendruckmaschinen brach um 29 % auf 492 Mill. € ein, der Auftragsbestand schrumpfte um 30 %. Sheetfed soll im Sommerquartal wieder die Gewinnschwelle erreichen. Insgesamt werde das zweite Quartal aber noch einmal schwach ausfallen, sagte Finanzchef Meyer in einer Analystenkonferenz.

Die chronisch defizitären Bereiche Digital- und Rollenoffsetdruck verringerten dagegen bei stabilen Umsätzen im ersten Quartal ihre Verluste. Das Digitaldruck-Joint-Venture mit Kodak, Nexpress, vergrößerte seinen Fehlbetrag nochmals.

Die vorbörslich bis zu acht Prozent eingebrochene Aktie von Heidelberger Druck erholte sich später wieder deutlich. In den vergangenen fünf Monaten hatte sie mehr als 80 % zugelegt.

„Die Investoren hoffen anscheinend auf das Drupa-Jahr“, sagte Analyst Jürgen Siebrecht von der WestLB. Im Frühjahr 2004 findet in Düsseldorf die weltgrößte Druckmesse statt. „Das Unternehmen ist immer noch Marktführer. Das heißt, das Geschäft wird sich bei einem Aufschwung verbessern“, sagte Fondsmanager Trudbert Merkel von der Deka Bank. Bedenklich stimmt Siebrecht allerdings die Strategie, den aktuellen Preiskampf in der Branche mitzumachen. Heidelberger Druck hatte angekündigt, auch unter dem Preisdruck der vom schwachen Dollar profitierenden japanischen Konkurrenz Marktanteile hinzugewinnen zu wollen. „Da könnte der Kostensenkungseffekt schnell wieder verpuffen“, warnte Siebrecht.

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