Keramikhersteller
Villeroy & Boch erwartet rote Zahlen

Der saarländische Keramikhersteller Villeroy & Boch wird in diesem Jahr wegen der Wirtschaftskrise voraussichtlich in die roten Zahlen rutschen. Dafür gibt es eine gute Nachricht: Anders als von einigen Experten erwartet wird der Stellenabbau nicht erweitert.

FRANKFURT. Der Porzellan- und Badzubehör-Hersteller Villeroy & Boch wird im laufenden Geschäftsjahr voraussichtlich operativ rote Zahlen schreiben. Das kündigte Vorstandssprecher Frank Göring an, ohne die genaue Höhe der Verluste zu prognostizieren. Das 260 Jahre alte Traditionsunternehmen aus dem saarländischen Mettlach rechnet für 2009 mit einem Umsatzrückgang, plant einen deutlichen Stellenabbau und will mehrere Fertigungen aufgeben.

Ein wesentlicher Grund für den Geschäftseinbruch seien drastische Rückgänge bei den Neubaugenehmigungen. Sie bestimmen den Umsatz in der Badsparte von Villeroy & Boch. Zusammen mit dem Wellnessbereich macht diese Sparte 521 Mio. Euro Umsatz und umfasst damit fast zwei Drittel des Konzerngeschäfts.

In Deutschland ist der Wohnungsbau mit 5,4 Prozent zwar moderat gesunken. In den USA aber habe man einen Einbruch von 36 Prozent, in Spanien sogar von 51 Prozent zu verkraften. Im Jahr 2008 rettete das noch profitable erste Halbjahr Villeroy & Boch, so dass das Umsatzminus letztlich nur ein Prozent betrug – bei einem stabilen Ergebnis von elf Mio. Euro. Nun stehen die Zeichen auf Sturm. „Wir erwarten einen weiteren Rückgang der Konjunktur und damit verbunden einen Nachfragerückgang“, sagte Göring. Im Januar und Februar habe der Konzernumsatz 20 Prozent unter Vorjahr gelegen.

Entsprechend drastisch wollen die Saarländer reagieren. Rund 900 der weltweit 9 250 Vollzeitstellen werden gestrichen, davon 400 in Deutschland. Der Standort Dänischburg bei Lübeck mit 170 Vollzeitkräften wird geschlossen, ab 2011 plant Villeroy & Boch zudem, die Tischkultur-Produktion am Verwaltungsstandort Mettlach aufzugeben. Weitere Schließungen wird es in Italien, Tschechien, Luxemburg und Schweden geben.

Die Sanierung aber werde das Konzernergebnis 2009 mit 60 Mio. Euro belasten, sagte Finanzchef Manfred Finger. Hinzu kämen Investitionen in Höhe von 25 Mio. Euro. Eine Ergebnisverbesserung erwartet Villeroy & Boch erst mit Verzögerung: Ab 2011 werde man durch die Restrukturierung jährlich mindestens 50 Mio. Euro sparen. Der Kurs der im SDax notierten Aktie, die zu 88 Prozent frei gehandelt wird und zuletzt drastisch an Wert verloren hatte, verbesserte sich im Anschluss an die Ankündigung um knapp drei Prozent.

Mehr noch als Villeroy & Boch ist der oberfränkische Wettbewerber Rosenthal von der Krise betroffen. Das Unternehmen hat bereits im vergangenen Geschäftsjahr (bis März 2008) bei 162 Mio. Euro Umsatz einen Betriebsverlust von 17 Mio. Euro gemacht. In den darauffolgenden drei Quartalen waren die Erlöse noch einmal um mehr als zehn Prozent geschrumpft. Das insolvente Unternehmen wird voraussichtlich vom italienischen Unternehmen Sambonet Paderno übernommen.

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