Kernkraft
Eon & EDF: Echte Freunde bauen zusammen

Frankreichs Stromriese EDF sucht Partner für neue Kernkraftwerke – gerne auch aus Deutschland. Doch die Grenzen einer solchen Kooperation zeigt ein Besuch auf der Reaktorbaustelle in Flamanville.

FLAMANVILLE. Mit großen Träumen ist das so eine Sache. Früher, vor fast 250 Jahren, da regierte im Schloss von Flamanville ein Herzog. Der war gut mit Jean-Jacques Rousseau befreundet. Damit sich der berühmte Philosoph bei seinem Besuch hier im Provinznest der Normandie, gleich am Ärmelkanal, auch wohlfühle, ließ der Herzog extra einen Pavillon bauen. Nur: Rousseau kam nie her.

Nun bauen sie wieder etwas Großes in Flamanville, und dieses Mal sind die Gäste schon da. Die Aussichtsplattform über der Baustelle bietet einen Panoramablick über die Felsküste und den Atlantik. 50 Meter weiter unten laufen Arbeiter umher, sie tragen gelbe Westen und auf den Köpfen orange Helme. Über ihnen drehen sich die Arme roter Kräne. Hin und her, auf und nieder. Schicht um Schicht lassen sie ein riesiges Metall-Rund aus dem Boden wachsen. Ist die Kuppel fertig, beherbergt sie den Kern eines neuen Kernkraftwerks.

Flamanville ist Frankreichs wichtigste Baustelle. Hier baut der staatliche Stromriese EDF einen Meiler vom neuen Typ EPR („European Pressurized Water Reactor“). Der ist das erste neue Kernkraftwerk, das seit 20 Jahren in Kontinentaleuropa gebaut wird. 2012 soll es ans Netz gehen und 1650 Megawatt bringen. Das wären jeweils 30 Prozent mehr als die beiden älteren Meiler produzieren, die EDF seit den späten 80er-Jahren in Flamanville betreibt. Ihre schwarzen Kuppeln glänzen links neben der bunten Baustelle in der Sommersonne.

Während in Deutschland nach dem neuerlichen Störfall im Kernkraftwerk Krümmel die Argumente gegen die Atomkraft wieder Oberwasser haben und das neuste Wahlkampfthema sind, baut Frankreich an der atomaren Zukunft. Nur, das ist neu in Flamanville, mag die „Grande Nation“ das nicht mehr ganz alleine tun: Kosten und Risiken sollen verteilt werden. In der Normandie ist Italiens Enel Partner von EDF. Anderswo auf Reaktorbaustellen dieser Welt könnten es bald deutsche Energiekonzerne sein. Favorit ist derzeit Eon.

In Flamanville muss EDF beweisen, dass die Verdächtigungen der Konkurrenz, die Franzosen wachten eitel über ihr Know-how und seien zu wirklicher Zusammenarbeit gar nicht bereit, nichts als böse Unterstellungen sind.

Also wirbt sogar der Boss persönlich um Vertrauen. „Solchen Partnerschaften gehört die Zukunft“, sagt Pierre Gadonneix, der Chef von EDF. Er will einen „Club“ von Energiekonzernen gründen, die die EPR-Technologie nutzen. Schon 2012 will Frankreich im nordfranzösischen Penly den zweiten EPR bauen. Und dafür sucht EDF noch Partner. „Wir diskutieren derzeit mit Eon über einen Einstieg ins Projekt Penly“, sagt Pierre Gadonneix.

Seite 1:

Eon & EDF: Echte Freunde bauen zusammen

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%