KfW-Einstieg möglich
EADS bereitet deutscher Politik Kopfzerbrechen

Airbus steht wegen Produktionsproblemen beim Superjumbo A380 offenbar ein milliardenschweres Spar- und Umstrukturierungsprogramm bevor. Dies könnte für Deutschland massive Auswirkungen haben. Die unklaren Zukunftsaussichten des Flugzeugbauers haben daher auch die Politik auf den Plan gerufen. Berichte über einen Einstieg der staatlichen Förderbank KFW beim Airbus-Mutterkonzern EADS dementierte die Bundesregierung am Montag jedenfalls nicht mehr.

HB MÜNCHEN/BERLIN. Nach Angaben aus Regierungskreisen ist die Große Koalition zutiefst beunruhigt über die Vorgänge bei EADS. Spitzenpolitiker von Union und SPD machten sich Sorgen, dass der Konzern entscheiden könne, den A380 nur noch in Frankreich zu bauen. Wesentliche Teile des größten Passagierflugzeugs der Welt werden in Hamburg hergestellt. Wie es in den Kreisen hieß, hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Thema mit Vizekanzler Franz Müntefering, Finanzminister Peer Steinbrück (beide SPD) und Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bereits beraten. Die Politiker fürchteten, Produktion und Arbeitsplätze könnten nach Indien, China oder Russland abwandern.

Zeitungsberichten zufolge plant die EADS radikale Umstrukturierungen, um Airbus nach der Pannenserie bei der Entwicklung des prestigeträchtigen Großraumflugzeugs A380 wieder in den Griff zu bekommen. Die französische Wirtschaftszeitung „Les Echos“ berichtete, durch den Umbau sollten rund zwei Mrd. Euro im Jahr eingespart werden. Die Maßnahmen sähen Veränderungen in den Abläufen und bei den Produktionsstätten vor - darunter auch den Verkauf strategisch unwichtiger Werke. Der Plan werde am Mittwoch der Belegschaft vorgestellt.

Dem Finanzblatt zufolge sollen die Aufgaben bei der Flugzeugproduktion künftig spezialisiert werden. Demnach könnten Langstreckenflugzeuge wie der A380 in Zukunft in Toulouse gebaut werden - und kleinere Maschinen in Hamburg.

Die Hamburger Politik übte sich in Gelassenheit. „Wir gehen davon aus, dass alles so eingehalten wird wie es in Verträgen vereinbart wurde“, sagte ein Sprecher von Wirtschaftssenator Gunnar Uldall (CDU). Der Hamburger Senat hatte sich für eine Verlängerung der Startbahn am Airbus-Standort eingesetzt und viel Geld ausgegeben, um die Montage des Super-Jumbo in der Hansestadt zu sichern.

Nach Berichten des „Spiegel“ und der „Süddeutschen Zeitung“ prüft die Bundesregierung eine Beteiligung der KfW an der EADS. Finanzstaatssekretär Thomas Mirow sondiere, ob die Staatsbank ein Aktienpaket vom Automobilhersteller Daimler-Chrysler übernehmen könne. Ein Sprecher des Ministeriums vermied am Montag sowohl ein Dementi als auch eine Bestätigung. Noch am Wochenende hatte eine Sprecherin der Regierung gesagt, „derzeit“ sei ein solcher Schritt nicht vorgesehen.

Daimler-Chrysler hat seinen Anteil schon auf 22,5 von 30 Prozent reduziert und will mittelfristig nur noch 15 Prozent an der EADS behalten. Laut „Spiegel“ soll die KfW den möglichen Aktienkauf mit den Erlösen aus dem Verkauf von Anteilen an der Deutschen Post und der Telekom finanzieren.

Die EADS war durch Schwierigkeiten bei der Entwicklung und Fertigung des neuen Großraumfliegers A380 in Schwierigkeiten geraten. Die Auslieferung der Maschinen verzögert sich deutlich. Der Aufsichtsrat des Unternehmens hatte Ende vergangener Woche über Gegenmaßnahmen und das Sparprogramm des neuen Airbus-Chefs Christian Streiff beraten, sich aber vertagt. Entscheidungen, etwa über den endgültigen Zeitpunkt der Auslieferung des A380, sollen nach Unternehmensangaben binnen drei Wochen fallen. Nach Presseberichten könnte sich das erste Flugzeug um ein weiteres Jahr verzögern.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%