KfW-Kredit
Porsche kämpft um Ausweg aus der Klemme

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking versucht verzweifelt, sich aus der Finanzklemme zu befreien. Er hat nur noch wenige Joker im Ärmel. Ein Kredit der staatseigenen KfW-Bank wäre die einfachste Lösung, doch in der Politik ist der Kredit umstritten. Nun wurden die Chancen durch das Interesse eines Investors zusätzlich geschmälert.

STUTTGART. Schon an diesem Montag könnte sich der Lenkungsausschuss mit dem Antrag Porsches auf 1,75 Mrd. Euro Kredit von der staatseigenen KfW-Bank befassen und bis zur Sitzung am kommenden Freitag entscheiden.

Der KfW-Kredit wäre für Wiedeking der leichteste Ausweg: Er gewänne Zeit für die Verbesserung der Kapitalsstruktur und das Thema müsste nicht mehr durch den Aufsichtsrat von Porsche. Damit bräuchte er auch keine weitere Zustimmung der Familien Porsche und Piëch. Wiedeking muss bei all seinen Bemühungen stets beachten, dass in der Familie sein Gegenspieler, VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, gemeinsam mit seinem Bruder Michel Piëch alle Entscheidungen blockieren kann.

Allerdings ist in der Politik der Kredit für den Konzern mehr als umstritten. Während Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) strikt dagegen ist, forderte sein Kollege aus Baden-Württemberg, Günther Oettinger (CDU), eine sachliche Prüfung des Falls. Kritiker sehen bei der Schieflage des Autobauers zuerst die Eigentümer gefordert, bevor der Staat hilft.

Porsche hatte sich bei der Übernahme von 50,7 Prozent an Europas größtem Autohersteller VW übernommen, weil der Konzern in der Finanzkrise große Probleme mit der vollständigen Verlängerung seiner Kreditlinien bekam. Das Geld von der Staatsbank würde die verbleibende Lücke eines Konsortialkredits mit dem Volumen von insgesamt 12,5 Mrd. Euro schließen. Für die KfW würden die gleichen Konditionen wie bei den übrigen Banken gelten. Damit erhielt auch die KfW als Sicherheit VW-Anteile.

Die Chancen für den politisch schwer vermittelbaren KfW-Kredit wurden am Wochenende allerdings durch die eigene Suche von Porsche nach einem Investor zusätzlich beeinträchtigt. Das Nachrichtenmagazin „Focus“ berichtet von einer mündlichen Zusage aus Katar. Offiziell hält sich der katarische Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA) zurück: „Kein Kommentar“, sagte ein Top-Manager des Fonds gestern dem Handelsblatt. Aber die Regierung in Doha setzt alle Hebel in Bewegung, um bei Porsche zum Zuge zu kommen. „Unsere Regierung ist interessiert, einen Anteil zu erwerben“, sagte Katars Finanzminister Joussef Kamal. Zuvor hatte bereits der katarische Ministerpräsident und CEO der QIA, Scheich Hamad bin Jassem Al-Thani, angekündigt, sein Land prüfe „ernsthaft“ eine Beteiligung an Porsche.

Porsche hat das Problem, dass es alle Rettungsversuche parallel betreiben muss. Scheitert die Kreditanfrage bei der KfW müsste sich Porsche mit einer Kapitalerhöhung durch die Eigentümer oder über einen neuen Investor Mittel beschaffen. Wie die Familien die Milliarden aufbringen würden, ist offen. Möglich wäre ein Verkauf der Salzburger Porsche-Holding, des ebenfalls in Familienbesitz befindlichen weltgrößten Autohändlers. Den Wert schätzen Branchenkenner auf drei bis sechs Mrd. Euro.

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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