Kiekert und Co.
Finanzinvestoren scheitern bei Autozulieferern

Das Geschäft der Finanzinvestoren in der Autozuliefererindustrie läuft heiß. Immer mehr Private-Equity-Fonds holen sich wegen des harten Wettbewerbs und der geringen Margen in der Branche eine blutige Nase. Das jüngste Beispiel: Kiekert, ein Spezialist für Schließsysteme.

FRANKFURT. Nach Informationen aus Branchenkreisen steht die Fondsgesellschaft Permira kurz davor, ihre Macht bei Kiekert an die Banken Morgan Stanley und Deutsche Bank, den Hedge-Fonds Silver Point sowie den Vermögensverwalter Bluebay Asset Management zu verlieren. Hintergrund ist die Schieflage bei Krediten.

„Die beteiligten Banken haben eine wirtschaftliche Einigung erzielt“, bestätigte Kiekert-Vorstand Wolfgang Theis. Die wichtigsten Eckpunkte der Finanzierung seien geklärt. „Noch ist die Tinte unter dem Vertrag nicht trocken; es gibt weiterhin einige Details, die zu klären sind. Wir sind jedoch sehr zuversichtlich, dass es in Kürze zu dieser Klärung kommt.“ Bei Permira war niemand für eine Stellungnahme erreichbar.

Kiekert ist kein Einzelfall: Auch die Private-Equity-Firma Montagu musste beim Zulieferer TMD Friction nach finanziellen Schwierigkeiten die Kontrolle an die Gläubigerbanken abgeben. Bei Honsel musste der Fonds Ripplewood jüngst Kapital nachschießen, für Finanzinvestoren ein eher ungewöhnlicher Schritt.

Auch die Remscheider Edscha gehört Finanzinvestoren. Als die amerikanische Carlyle-Gruppe das Unternehmen 2003 als zweiter Investor in Folge aufkaufte, verdoppelte sie Edschas Schulden auf das Vierfache des Vorsteuer-Ergebnisses (Ebitda). Plötzlich gestiegene Stahlpreise sowie die Krise der Großkunden Ford und General Motors brachten den Autozulieferer zeitweise in Zahlungsschwierigkeiten. Seit Carlyle sich 60 Mill. Euro als Sonderdividende auszahlen ließ, lasten gut 450 Mill. Euro Schulden auf dem Unternehmen.

Finanzinvestoren finanzieren ihre Firmenübernahmen zum größten Teil mit Krediten und übertragen diese auf die gekauften Unternehmen. Ziel ist, so die Rendite auf das eingesetzte Eigenkapital zu heben. Ein riskantes Spiel, da die Finanzinvestoren damit die Firmen in der traditionell eigenkapitalschwachen Zuliefererbranche schnell in arge Bedrängnis bringen.

Branchenbeobachter wie die Beratungsgesellschaft Alix Partners halten die Schieflagen in der Zulieferindustrie für die ersten Vorboten einer großen Welle von Kreditausfällen. So prognostiziert Alix für die nächsten zwei Jahre europaweit Ausfälle bei Private-Equity-Finanzierungen von bis zu 30 Mrd. Euro, davon etwa ein Viertel in Deutschland. „Das Risiko von faulen Krediten ist angewachsen“, warnte jüngst Roman Zeller, Geschäftsführer von Alix Deutschland.

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