
LONDON/DÜSSELDORF. Sie ist dieses Mal billig davongekommen: Knapp 400 Pfund (umgerechnet 450 Euro) hat Emily Harvey an diesem Septembertag für die neue Garderobe ihrer beiden Töchter ausgegeben. Ein Kaschmir-Kleid für ihre Fünfjährige hat sie gekauft, einen Mantel mit Fellkragen und ein Seiden-Hängerchen für ihre acht Monate alte Tochter. "Meine Ältere hatte heute keine Lust, Sachen anzuprobieren", erzählt die 34-jährige Mutter, "wir haben daher nicht all das gekauft, was wir uns vorgenommen haben."
Regelmäßig geht sie mit ihren Kindern in der Westbourne Grove im schicken Londoner Stadtteil Notting Hill einkaufen. Hier hat der britische Edelmodehersteller Burberry vor wenigen Monaten einen Laden mit Kinderklamotten eröffnet, daneben die französische Kinderluxusmarke Bonpoint und um die Ecke das britische Label "I love gorgeous", bekannt für edle Kleidchen, die selbst für Babys knapp 100 Pfund kosten können.
Kindermode als Krisenpuffer
Es sind Mütter wie Emily Harvey, die kein Problem mit diesen Preisen haben. Und auch damit nicht, dass der Nachwuchs in sechs Monaten aus dem Stück wieder herausgewachsen ist. Sie bescheren den Modeherstellern Wachstum, kräftige Gewinne und einen Krisenpuffer.
Der Umsatz mit Designer-Mode im Mini-Format stieg von 2007 bis 2009 um 13 Prozent auf 3,69 Milliarden Dollar, schätzt das Marktforschungsunternehmen Euromonitor International. Im gleichen Zeitraum sank der Umsatz auf dem Markt für Luxusmode für Erwachsene um zehn Prozent, berichtet die Unternehmensberatung Bain & Co.
Für den Erfolg in Krisenzeiten gibt es zwei Gründe. "Man kürzt erst einmal die Ausgaben für Erwachsenenmode, bevor man das Budget für Kindermode angreift", sagt Bonpoint-Chef Eric Vallat.
Erst recht in Schwellenländern verlangt eine immer größer werdende Mittelschicht nach Luxusklamotten für den Nachwuchs. "Es gilt als Statussymbol, die Kinder teuer zu kleiden. In Wachstumsmärkten spielt das eine größere Rolle", sagt Chehab Wahby von der Beratung OC&C. Luxusmode für Kinder sei "ein attraktives Segment, um Geld damit zu verdienen" - und das nicht erst, seitdem Prominente wie Tom Cruise und Madonna ihren Töchtern Designerklamotten und Absatzschuhe kaufen und die Kinder damit wie Miniaturausgaben ihrer Eltern aussehen lassen.
Kindermode muss nicht zwangsweise teuer sein. Mütter wie Emily Harvey sind zwar kein Einzelfall. Spiegeln aber nicht unsere Gesellschaft wieder.
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