Kingfa: Chinesischer Kunststoffriese auf Europakurs

Kingfa
Chinesischer Kunststoffriese auf Europakurs

Im Interview erklärt der chinesische Investor Zhimin Yuan, wie er sein Kunststoffunternehmen Kingfa auf dem europäischen Markt verankern will. Eine Schlüsselrolle soll dabei das jetzt eröffnete Werk in Wiesbaden spielen.

DüsseldorfWiesbaden konnte den chinesischen Investor Zhimin Yuan überzeugen. Nur kurz zweifelte er, ob der Standort nach der chinesischen Harmonielehre Feng Shui für ein Werk geeignet ist. Bei dem chinesischen Kunststoffveredler Kingfa Science & Technology sind alle Standorte nach der Lehre ausgerichtet. Die anfänglichen Zweifel räumte ein Feng-Shui-Meister aus München jedoch aus. Die Folge: Yuan investierte rund zehn Millionen Euro in Hessen und hat das Werk nun eröffnet. Weitere Investitionen sind bereits angedacht, aber noch nicht spruchreif, heißt es von dem Unternehmen.

Von Deutschland aus will Kingfa seine Kunden in ganz Europa mit innovativen Compounds beliefern. Als Compound werden Kunststoffe bezeichnet, denen andere Stoffe beigemischt worden sind. Ziel ist es, die Eigenschaften der Basiskunststoffe für verschiedenste Anwendungen maßgeschneidert zu verändern. Eigenen Angaben zufolge bietet Kingfa die gesamte Anwendungspalette an. Zum Vergleich: Der deutsche Chemiekonzern Bayer konzentriert sich auf zwei Bereiche: Polyurethan, das für etwa für Schaumstoffe gebraucht wird, und auf Polycarbonat; der Hochleistungskunststoff wird unter anderem in Autos oder für medizinische Geräte benötigt. Auch andere Wettbewerber wie BASF oder Lanxess haben sich auf einige wenige Kunststoffzusätze spezialisiert.

Kingfa wurde 1993 von dem heutigen Chairman Zhimin Yuan gegründet. Unter seiner Führung ist das Unternehmen stürmisch gewachsen und setzt jährlich 2,2 Milliarden Euro um. Die Produktionskapazität liegt bei etwa 1,5 Millionen Tonnen. In Asien ist Kingfa bereits Marktführer. Zu dem starken Wachstum der in Schanghai gelisteten Gesellschaft hat auch die Globalisierungsstrategie beigetragen. 2013 hatte Kingfa in Indien zugekauft und vor zwei Jahren ein Werk in Detroit, USA, gegründet.
Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch nicht erreicht. Wie Yuan dem Handelsblatt erklärt, will Kingfa weiter wachsen. Er schließt dabei auch Übernahmen nicht aus.

Herr Yuan, der chinesische Hausgerätehersteller Midea übernimmt Kuka, auch für Osram gibt es chinesische Interessenten. Können Sie sich ebenfalls Zukäufe in Deutschland vorstellen?
Wir haben während der letzten vier Jahre eine konsequente Globalisierungsstrategie verfolgt, durch Investitionen in neue Werke wie in den USA und Deutschland, aber auch durch eine Akquisition in Indien. Diesen Wachstumspfad werden wir nicht verlassen und weiterhin nach interessanten Akquisitionszielen Ausschau halten. Falls sich in Deutschland eine interessante Option bietet, würden wir uns das sicherlich ansehen.

Kingfa hat gerade in Wiesbaden die erste Produktionsstätte in Europa errichtet. Werden weitere folgen – in Deutschland oder anderen Ländern?
Wie schon erwähnt befinden wir und auf einem konsequenten Globalisierungs- und Wachstumspfad. Das bedeutet, dass wir unsere Kapazitäten weiter ausbauen werden, ob durch eine Investition in einen neuen Standort oder durch eine Akquisition müssen wir sehen.

2017 soll auch ein Forschungs- und Entwicklungszentrum in Deutschland gebaut werden. Wie wichtig ist der deutsche Markt für Kingfa? Warum?
Der deutsche Markt ist für uns aus mehreren Gründen sehr wichtig. Deutschland ist eines der innovativsten Länder der Welt und zwar über alle Anwendungssegmente, die wir beliefern, wie zum Beispiel die Automobilindustrie aber auch E&E, Haushaltsgeräte oder Power Tools. Zum anderen haben sehr viele globale Zulieferer ihren Hauptsitz in Deutschland, das heißt wir werden in Zukunft in unmittelbarer Nähe von Entscheidungsträger sitzen mit denen wir in enger Kooperation innovative Projekte vorantreiben können.

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