Kirin
Japanischer Brauer expandiert nach Südamerika

Der japanische Brauer Kirin hat sich für umgerechnet 1,8 Milliarden Euro die Mehrheit an dem brasilianischen Getränkehersteller Schincariol gesichert.
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TokioDer japanische Brauer Kirin expandiert nach Südamerika. Für umgerechnet 1,8 Milliarden Euro sicherte sich der Konzern die Mehrheit an dem brasilianischen Getränkehersteller Schincariol. Kirin kauft den Angaben von Dienstag zufolge 50,45 Prozent an Brasiliens zweitgrößtem Bier- und drittgrößten Softdrinkhersteller. 

Mit der Übernahme greift der Asahi-Konkurrent außerhalb seiner eigentlichen Zielregion - dem asiatisch-pazifischen Raum - zu. Der Zeitpunkt sei günstig gewesen, der Konzern nicht durch den starken Yen, der für japanische Firmen Exporte verteuert, getrieben, sagte Kirin-Präsident Senji Miyake. „Im Biermarkt gibt es nicht mehr sehr viele Möglichkeiten, die weltweite Liste wäre kurz. Als sich dann diese sehr gute Möglichkeit in Brasilien auftat, haben wir uns entschlossen, zu investieren.“ Das Schwellenland sei ein großer Markt mit hohen Wachstumschancen. Nur in China und den USA wird weltweit noch mehr Bier getrunken als in Brasilien. Wirtschaftlicher Aufschwung und steigende Löhne fördern den Absatz des alkoholischen Getränks. 

Schincariol wurde 1939 von den Söhnen italienischer Einwanderer gegründet. Groß wurde der Konzern mit einem Umsatz von zuletzt 1,3 Milliarden Euro zunächst mit Softdrinks, Likör und Cognac. Bier kam erst 1989 dazu. Weltweit dominiert den Markt mit einem Anteil von 70 Prozent Anheuser-Busch InBev. 

Japanischen Brauereien macht eine alternde Bevölkerung und die schwindende Ausgabefreude der Verbraucher zu schaffen. Sie schauen sich lieber nach günstigeren Getränken als Bier um. Der Konsum des Gerstensaftes ist daher in Japan in den vergangenen zehn Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Um die Ausfälle auf dem gesättigten Heimatmarkt wettzumachen, beteiligte sich Kirin in den vergangenen Jahren an der Brauerei Fraser & Neave in Singapur, der philippinischen San Miguel oder bereits 2009 an der Nummer zwei in Australien, Lion Nathan. Die Konsolidierung in der Bierbranche ist bereits weit fortgeschritten. Es gibt nur noch wenige Übernahmeziele wie beispielsweise die australische Brauerei Foster's, für die SABMiller ein Milliarden-Gebot vorgelegt hat. 

Der Zukauf von Kirin ist der drittgrößte eines japanischen Konzerns im Ausland in diesem Jahr. Vor allem der starke Yen treibt die Unternehmen aus dem eigenen Land. 2011 haben sie bislang 39 Milliarden Dollar für internationale Übernahmen ausgegeben, das sind 45 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Im Mai kaufte der Pharmakonzern Takeda Pharmaceutical für 13,7 Milliarden Dollar die Schweizer Nycomed und im März schlug der Hersteller von Medizingeräten Terumo für 2,63 Milliarden Dollar bei dem US-Unternehmen CaridianBCT zu.

 

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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